Kölner Wissenschaftsrunde: Wie können junge Frauen für ein Engagement im Karneval begeistert werden?

Karneval in Zeiten der Pandemie findet anders statt als gewohnt – das gilt auch mit Blick darauf, den weiblichen Nachwuchs für dieses Thema zu begeistern. Schon vor Corona waren weibliche Akteure im Kölner Karneval unterrepräsentiert. Wie also schafft man es, Mädchen und Frauen für ein Engagement rund um die jecken Tage zu begeistern? Mit diesem Thema beschäftigte sich die Kölner Wissenschaftsrunde am Montag, den 1. Februar in der Reihe „Wissenschaft im Rathaus“. Die Veranstaltung fand Corona-bedingt online statt.

Als Referentin zu diesem Thema geladen war Dr. Marie-Christine Frank. Die promovierte Genderwissenschaftlerin verbindet als freie Dozentin an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ihr ehrenamtliches Engagement für die Karnevalsgesellschaft „Große Kölner“ mit dem wissenschaftlichen Ansatz. Sie stellte den rund 30 Gästen die Ergebnisse einer Studie zu diesem Thema vor, die sie ihm Rahmen ihrer Dozententätigkeit bereits im Jahr 2017 mit Studierenden der FHM durchgeführt hatte.

Gäste der Veranstaltung waren unter anderem die Kölner Bürgermeisterin Brigitta von Bülow, der Präsident der Große Kölner Karnevalsgesellschaft e.V. 1882 und Vizepräsident des Festkomitee Kölner Karneval , Dr. Joachim Wüst, der Karnevalshistoriker Wolfgang Oelsner, der Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn und aus dem Vorstand der Große Kölner, Bernd Brombach. Auch mit dabei war der wissenschaftliche Leiter der FHM Köln, Prof. Dr. Sascha Lord, der von Dr. Marie-Christine Frank und Dr. Joachim Wüst einen Karnevalsorden für sein Engagement überreicht bekam.

Beteiligt an der Studie waren vier Studentinnen der Studiengänge Crossmedia & Communication Management, Marketingmanagement sowie Medienkommunikation & Journalismus. Das Projektteam erhob Daten von 300 Personen mittels Online- und Offline-Umfragen und fand auf diesem Wege die größten Hemmnisse aber auch die positiven Faktoren heraus, die Frauen dazu bewegen, in eine Karnevalsgesellschaft einzutreten.

Hemmnisse für junge Frauen waren demnach unter anderem ein geringes Mitspracherecht, eine hohe Verbindlichkeit und die Befürchtung, dass ein Engagement wenig abwechslungsreich und zeitintensiv ist. Dem gegenüber standen aber positive Motive wie zum Beispiel das große Gemeinschaftsgefühl, Prestige, neue Kontakte zu knüpfen und auch generationsübergreifend engagiert zu sein. Auch die Kostümierung an sich und die Karnevalsmusik waren in den Augen junger Frauen große Pluspunkte.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten die vier Studentinnen verschiedene crossmediale Marketing-Maßnahmen, die vom Verein anschließend teilweise umgesetzt wurden. So wurde zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls das Freizeitangebot laut Dr. Marie-Christine Frank zum Beispiel durch unterjährige Sportangebote ausgebaut. Das Patenkonzept wurde überarbeitet und Hospitanzmodelle sollen eingeführt werden. Außerdem werde nun in der Kommunikation auf gendergerechte Sprache und eine ausgewogene Bildsprache geachtet. Ansprache und Tonalität wurden angepasst und Frauen in verantwortungsvollen Positionen kämen seitdem in der Außenkommunikation mehr zu Wort,

„Ein schönes Projekt, das den „Großen Kölnern“ sehr viele Denkanstöße gegeben hat – mit den richtigen Themen kann man junge Leute sowohl für den Karneval, als auch für wissenschaftliche Projekte begeistern“, so die FHM-Dozentin. Das zeige sich auch positiv in der Entwicklung der Mitgliederzahlen: „Seit 2019 sind die „Großen Kölner“ die mitgliederstärkste KG im Kölner Karneval. Das Konzept der Studierenden hat Früchte getragen – viele der neuen Mitglieder sind inzwischen weiblich.“