Erstmals in Bayern: Triales Studium im Handwerk an der FHM Bamberg

Die Handwerkskammer für Oberfranken, die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und die IFGO GmbH – Institut für Gewerbeforderung bieten erstmals in Bayern einen Trialen Bachelor-Studiengang Handwerksmanagement (B.A.) an. Der dazugehörige Kooperationsvertrag zwischen den Bildungspartnern wurde am Dienstag, 29. September, am Standort der Fachhochschule des Mittelstands in Bamberg unterschrieben. Der Studiengang vereint die beruflich-praktische mit der akademischen Ausbildung und bereitet potenzielle Nachwuchsunternehmer*innen und Führungskräfte in kompakter und abgestimmter Form auf ihre Leitungsaufgaben im Handwerk vor.

Nachwuchsgewinnung bleibt in den nächsten Jahren die zentrale Herausforderung des Handwerks, betonte Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer beim Pressegespräch in Bamberg. „Nachwuchsgewinnung bedeutet für uns zweierlei: einerseits die Gewinnung von Fachkräften, aber zum anderen - und das ist genau so wichtig -  die Gewinnung von Führungskräften. Denn in den nächsten zehn Jahren steht alleine in Oberfranken bei 4.000 Handwerksbetrieben die Betriebsübergabe an.“ Außerdem bräuchten immer mehr Handwerksunternehmer/-innen Führungskräfte, die ihnen Managementaufgaben im Betrieb abnehmen.

Deswegen ist das Handwerk immer wieder auf der Suche nach neuen, guten Angeboten, die leistungsstarke Jugendliche für eine Karriere im Handwerk begeistern können. Als vor gut einem Jahr die Anfrage der Fachhochschule des Mittelstands eingegangen ist, ob eine Kooperation vorstellbar wäre, habe die Handwerkskammer daher sofort ihre Bereitschaft signalisiert, das Projekt Triales Studium gemeinsam zu entwickeln. Thomas Zimmer: „Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Der Studiengang ist exakt auf das Handwerk zugeschnitten. Die Lehrinhalte entsprechen zum einen den Bedürfnissen von modernen Handwerksunternehmen. Und den jungen Menschen bleibt dabei genug Zeit, die Qualifizierungsbausteine zu durchlaufen und dabei aber auch genügend Praxis in den Betrieben zu bekommen.“

Die Kontaktaufnahme mit der Handwekskammer kommt nicht von ungefähr. „Die Fachhochschule des Mittelstands ist seit ihrer Gründung im Jahre 2000 stark mit dem Handwerk verbunden. „Daraus haben wir ein ‚Triales Studium‘ entwickelt, das in einzigartiger Weise die Berufsausbildung mit der Meisterqualifikation und einem wissenschaftlichen Studium verbindet", so Professor Dr. Patrick Lentz, Mitglied der Hochschulleitung der Fachhochschule des Mittelstands aus Bielefeld. „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir in der Kooperation mit der Handwerkskammer das Triale Studium Handwerksmanagement nun auch in Oberfranken anbieten können." Ambitionierte Abiturienten*innen, die im Jahr 2021 eine Ausbildung im Handwerk beginnen, können in diesem Studienprogramm parallel und verzahnt mit der Meisterausbildung ein Bachelor-Studium absolvieren. In rund fünf Jahren erlangen sie mit diesem Trialen Studiengang drei Abschlüsse: Geselle*in und Meister*in im Handwerk sowie Handwerksmanagement Bachelor of Arts (B.A.) inklusive der Qualifikation zum „Geprüften Betriebswirt (HwO)“.

Der abgestimmte Lehrplan garantiert eine optimale Verknüpfung von theoretischer und praktischer Qualifizierung auf gewerkespezifischer und betriebswirtschaftlicher Ebene. Die Lernorte – der Campus der Handwerkskammer für Oberfranken, die IFGO GmbH und die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) – liegen mit Bayreuth, Kulmbach und Bamberg nahe beieinander. Dort absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Zeit bis zur Gesellenprüfung parallel zur Ausbildung am Freitagnachmittag und am Samstag verschiedene Module des Studiums Handwerksmanagement. Dazu gehören unter anderem Theorien und Techniken der Unternehmensführung, das Management von Handwerksbetrieben sowie natürlich Grundlagen der Betriebswirtschaft.

Nach der Gesellenprüfung sind die Weiterbildung AdA (Ausbildung der Ausbilder) und die Fortführung des Studiums in Teilzeit vorgesehen. Es werden allgemeine und strategische Wirtschaftskompetenzen vermittelt und mit der beruflichen Praxis verknüpft. Das Studium schließt mit der Bachelorarbeit ab.


Prof. Dr. Konstantinos Karanikas, Wissenschaftlicher Leiter der Fachhochschule des Mittelstands am Standort Bamberg, Lara Körber, Leiterin des Referates Meisterschulen, Handwerkskammer für Oberfranken, Frank Grökel, Leiter des Teams Nachwuchswerbung / Ausbildungsberatung , Handwerkskammer für Oberfranken und Ralf Neuber, Leiter der IFGO GmbH Institut für Gewerbeforderung der Handwerkskammer für Oberfranken, Kulmbach stellten anschließend die Bausteine des Trialen Studiums vor. Das Gesamtprogramm des Trialen Studiums ist so konzipiert, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Trialen Studium die Fördermöglichkeiten voll ausschöpfen können. Die Teilnahme an den Meistervorbereitungslehrgängen kann so bis zu 90 Prozent gefördert werden, der Lehrgang Betriebswirt im Handwerk sogar zu fast 100 Prozent.

 

(Vorne links) Matthias Graßmann, Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken, (vorne rechts) Prof. Dr. Patrick Lentz, Prorektor Wirtschaft & Verwaltung FHM, (Hinten) Frank Grökel, Leiter des Teams Nachwuchswerbung / Ausbildungsberatung, Handwerkskammer für Oberfranken, Ralf Neuber, Leiter der IFGO GmbH, Kulmbach, Lara Körper, Leiterin des Referats Meisterschulen an der HWK für Oberfranken, Sven Neukamm, Abteilungsleiter Berufsbildung - Grundsatzfragen – Prüfungen an der HWK für Oberfranken, Prof. Dr. Konstantinos Karanikas, Wissenschaftlicher Leiter der FHM Bamberg