Interviews & Statements

„Die Geschäftsidee ist das Wichtigste“
Prof. Dr. habil. Richard Merk weiß genau, vor welchen Herausforderungen junge Gründer heutzutage stehen und wie man sie bestmöglich unterstützt. Denn er war es, der die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Jahr 2000 als Gründer ins Leben rief und sie zu dem machte, was sie heute ist. Auch er stand einmal ganz am Anfang.

Herr Merk, die FHM fördert seit Anbeginn den Start-up-Gedanken ihrer Studierenden – unter anderem durch das Modul Unternehmensgründung. Sehen Sie hierdurch die Studierenden der FHM im Vergleich zu anderen Unternehmensgründern im Vorteil?
„Unsere Absolventen sollen in Fach- und Führungspositionen mittelständischer Betriebe unternehmerisch denken und handeln. Die Studierenden der FHM beschäftigen sich im Laufe ihres Studiums insgesamt acht Monate (zwei Trimester) lang mit den Themen ‚Unternehmensgründung‘ und ‚Businessplanentwicklung‘. Sie lernen, wie eine Geschäftsidee entwickelt wird, testen diese auf ihre Machbarkeit, das wirtschaftliche Potenzial und ermitteln den Finanzbedarf. Wir unterstützen sie dabei, geben ihnen fundiertes Wissen an die Hand, bieten ihnen kreative Lehrmethoden und vernetzen sie in der Region. Durch dieses Wissen sehe ich unsere Studierenden natürlich im Vorteil.“

Die Studierenden des Master-Studiengangs Crossmedia & Communication Management haben sich ebenfalls mit dem Thema auseinandergesetzt und im April 2019 das erste Design Thinking Camp, den Starters Summit, ins Leben gerufen. Wie wichtig sind solche Workshops für junge Gründer und ihre Ideen?
„Ich halte Events, wie den Starters Summit, für extrem wertvoll. Viele junge Menschen haben tolle Ideen, sind sich aber unsicher, wie sie strukturiert die Realisierung angehen sollen. Hier können Veranstaltungen wie der Starters Summit bei der Informationsbeschaffung und der strukturierten Herangehensweise helfen. Kreativmethoden wie das Design Thinking können unterstützen, neue Ansätze zu entwickeln sowie kundenzentrierte, kreative Lösungen zu finden. Darauf kommt es letztendlich ja auch an – denn der Kunde muss von der Geschäftsidee und dem Konzept überzeugt sein, sonst kauft er das Produkt nicht.“

Wenn es um Start-ups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin und Hamburg. Was spricht für OWL/Bielefeld (oder auch die anderen FHM-Standorte) als Start-up-Standort?
„Bielefeld hat eine lebendige Gründer- und Start-up-Szene, die vor allem in den letzten Jahren viele neue Gründerinitiativen und Geschäftsideen hervorgebracht hat. Darüber hinaus gibt es immer mehr Unternehmen und Institutionen, die innovative Geschäftsmodelle aktiv fördern. Hierzu gehört auch die Founders Foundation. Die gemeinnützige Initiative motiviert vor allem junge Menschen zu Unternehmensgründungen und unterstützt sie auf dem Weg zum eigenen Start-up mit Räumen, Mentoring-Programmen, Coaching und weiteren Dienstleistungen. Die FHM arbeitet seit drei Jahren eng mit der Founders Foundation zusammen. Dass die Founders Foundation ein perfekter Kooperationspartner ist, zeigen nicht nur die vielen gemeinsamen Projekte wie die Founders Night, sondern auch das Modul Unternehmensgründung.“

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Absolventen der FHM den Schritt in die Selbstständigkeit und Unternehmensnachfolge gewagt. Welche Tipps würden Sie jungen Menschen geben, die sich gerade mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?
Wenn man ein Unternehmen gründen will, ist die Geschäftsidee das Wichtigste und somit entscheidend. Kein Unternehmen kann dauerhaft existieren, kein Gründer kann erfolgreich arbeiten, wenn die Geschäftsidee nicht stimmt. Junge Gründer sollten sich fragen, wie sie den Kern ihrer Geschäftsidee innerhalb von fünf Minuten einem Fremden erklären würden. In dieser Beschreibung sollten Gründer berücksichtigen, wie sich ihr Unternehmen von der Konkurrenz abheben soll. Der Nutzen für den Kunden muss klar herausgestellt sein und jeden begeistern, der zuhört. Doch auch die beste Geschäftsidee nützt nichts, wenn das Konzept nicht stimmt. Mit einem hervorragend ausgearbeiteten Businessplan bereitet man sich effizient auf eine Existenzgründung vor und vermeidet damit einen der häufigsten Gründe für das vorzeitige Scheitern: nämlich mangelnde Planung. Ebenfalls kann es von Vorteil sein, wenn man im Team gründet. Es ist immer toll zu sehen, wenn jemand nach seinem Studium an der FHM den Mut hat und sich selbstständig macht. Man braucht Mut und muss kontinuierlich am Ball bleiben. Nur dann hat man Erfolg.“

Auch Sie standen einmal am Anfang einer Unternehmensgründung: Welcher Gedanke trieb Sie seinerzeit an? Gab es Momente in denen Sie ans Aufgeben gedacht haben?
„Ich komme aus der Erwachsenenbildung, habe mich seit meinem Studium der Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften immer mit Bildung und Ökonomie beschäftigt und finde das Thema sehr spannend. Erwachsene entscheiden selbst, ob sie lernen. Daher war es natürlich besonders wichtig, dass die FHM ihren Studierenden eine qualitativ hochwertige Lehre, ein ideales Lernumfeld und innovative Inhalte bietet. Das hat mich gereizt, etwas Neues zu schaffen und die Zielgruppe mit meiner Idee – also der FHM – zu überzeugen. Innerhalb eines halben Jahres bekamen wir für die FHM die staatliche Anerkennung. Und bald darauf, im Oktober 2000, immatrikulierten wir die ersten 54 Studierenden. Aufbauen und Wachsen ist das beste Rezept für ein Start-up.“

Unternehmensgründung wandelt sich – die FHM geht in der Lehre voran

Unternehmertum ist nicht nur eine zentrale Säule des Mittelstands, sondern steckt auch in der DNA der FHM. Das Gründen eines Unternehmens ist für uns immer schon ein zentrales Thema gewesen und fest verankert im Lehrplan aller Studierenden. Wir sind die einzige Hochschule in Deutschland, an der alle Studierenden einen Businessplan schreiben, unabhängig von ihrer Studienrichtung. Denn wir sind überzeugt: Wer die Fähigkeit erwirbt, ein Unternehmen zu gründen, wird zahlreiche komplexe Situationen in seinem beruflichen Leben meistern.

Unternehmensgründung hat sich dabei in den letzten Jahren stark gewandelt. Mittlerweile gibt es vielfältige Arten zu gründen, zum Beispiel das Start-up.
Wir bauen daher verstärkt Instrumente und Kompetenzen in die Lehre ein, die sich in dieser hochinnovativen Szene etablieren, zum Beispiel Lean Start-up, Design Thinking oder die Funktionsweise eines guten Pitches. Auch im Mittelstand werden diese Denkmuster und Methoden immer stärker aufgegriffen und in die bestehenden Strukturen übernommen, um die Innovationsfähigkeit zu stärken. Wir bereiten die Studierenden somit auf Führungsaufgaben vor, aber auch darauf, potenziell ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen oder die Nachfolge in einem mittelständischen Unternehmen anzutreten – und dies mit zukunfts- und innovationsorientiertem Know-how und unternehmerischem Spirit.

Teils exklusive Kooperationen der FHM, zum Beispiel mit der Academy der Founders Foundation oder dem Pioneers Club, betonen die besondere Qualität der Lehre im Bereich der Unternehmensgründung an unserer Hochschule. Sie ermöglichen unseren Studierenden zum einen direkten Zugang zu spannenden Gründern und Netzwerken. Zum anderen zeigen die Kooperationen und Partner aber auch, dass das Studium in den Bereichen Unternehmertum und Gründung an der FHM auch außerhalb der Hochschule hoch angesehen ist.

Das Unternehmertum: Das Wissens- und Erkenntniskapital der FHM schlechthin

Welche Rolle spielt das Thema für Sie an der FHM? Wie wichtig ist das Thema generell?
„Die Wichtigkeit des Themas Unternehmensgründung für die FHM und deren Studierenden verdeutlicht Schumpeter. Der Ökonom hat uns geläufige Begriffe wie „Innovation, Wagniskapital und Firmenstrategie“ hinterlassen, die starke Metapher der „schöpferischen Zerstörung“ erfunden und den drei Produktionsfaktoren der Klassiker (Boden, Arbeit, Kapital) einen vierten hinzugefügt: Das Unternehmertum. Also mittelständisches Unternehmertum, das Wissens- und Erkenntniskapital der FHM schlechthin. Wenn wir also fragen, wie wichtig das Thema Gründung generell ist und woher Wertschöpfung, Arbeitsplätze, regionale Dynamik und damit wirtschaftliches Wachstum kommen, bleibt nach kritischer Durchsicht aller Theorien und historischen Erfahrungen eigentlich nur eine Antwort übrig: Es sind unternehmerisch denkende Menschen, die in unserer Gesellschaft diese Rolle übernehmen – Entrepreneure. Mit ihren Eigenschaften und Tätigkeiten sind sie der Katalysator des ökonomischen Wandels, wobei dieser Zustand in der Regel nicht von Dauer ist, sondern sich auf die Gründungsphase (ein bis drei Jahre) beschränkt. Ein Entrepreneur „makes things happen“. Dies erfordert Kreativität, Innovation und Risikobereitschaft.“

Welchen Vorteil haben FHM-Absolventen gegenüber anderen Unternehmensgründern?
„Da die betriebswirtschaftliche Aufarbeitung einer Gründungsidee ein Pflichtmodul in der FHM ist, werden die Studierenden nicht nur früh für das Gründungsgeschehen sensibilisiert, sondern zugleich mit der ökonomischen Realität konfrontiert. Die Moderation im simulierten Gründungsprozess der Studierenden übernehmen die Lehrenden der FHM, die Entscheidung über Erfolg oder Misserfolg, über Gewinn oder Verlust der jeweiligen Geschäftsidee übernimmt der Markt. Denn viele Geschäftsprozesse sind zwar digital, aber nicht innovativ. Dieser Erkenntnisprozess ist für den Studierenden mindestens ebenso wertvoll wie die Sensibilisierung der Gründerkultur, und das ist zweifelsohne ein wesentlicher Vorteil der FHM-Absolventen im Wettbewerb.“