“Fly me to the moon …”: Space Economy & Space Business – Geschäftsmodelle der Zukunft

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Eine öffentliche Online-Vorlesung von Prof. Dr. Gerald Wogatzki

  • ACHTUNG - KURZFRISTIGE TERMINÄNDERUNG:
    neues Datum: Do., 2. September 2021
  • Uhrzeit: 17.30 Uhr

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“Fly me to the moon …”
Space Economy & Space Business – Geschäftsmodelle der Zukunft

Ein Affe, Albert 2, entsandt von den USA im Jahr 1950, zwei Hunde, Dezik und Tsygan, 1951 von der Sowjetunion auf den Weg geschickt, und nun im Jahr 2021 zwei Menschen, Richard Branson, Großbritannien, und Jeff Bezos, USA, selbstentsandt. Und damit sind die beiden Milliardärskollegen zwar noch vor dem dritten Milliardär, Elon Musk, „oben“ gewesen, aber trotzdem gut 20 Jahre zu spät.

Weltweit anerkannt gilt der US-Amerikaner Dennis Tito aus Queens, New York City, als erster Weltraumtourist. Er folg am 28. April des Jahres 2001 mit einer Sojus 7K-ST mit und verbrachte anschließend gut 7 Tage auf der Raumstation ISS im Weltraum. Nach Tito folgten weitere weltrauminteressierte und finanziell ausreichend ausgestattete Männer sowie mit Anousheh Ansari in 2006 eine im Iran geborene US-Amerikanerin. Alle diese Weltraum-touristen begleiteten Sojus-Missionen als Gäste und blieben 9 bis 13 Tage im Weltraum.

Touristen wollen Bezos, Branson und Musk allerdings nicht sein und mittelfristig geht es den drei Milliardären auch nicht um das relativ wenig lukrative Geschäft mit einer vergleichsweise geringen Anzahl an Weltraumtouristen. Diese sind gut für das Testen, die PR und die Spritkosten. Das Milliardärstrio will regelmäßige Fährlinie in den Weltraum aufbauen, um dann am „Big Business“ mitzumischen, nämlich den Geschäften mit dem Transport, der Beobachtung, der Information, der Exploration sowie der Ausbeutung der im Weltraum und auf Himmelskörpern zu findenden Ressourcen. Dies ist zwar sehr teuer, kann aber auch extrem lukrativ sein. Denn bereits jetzt gibt es das derzeit noch bescheidene „Big Business“ im Weltraum. Beispielsweise stieg in den Jahren von 2006 bis 2015 der Umsatz aus Geschäften rund um Satelliten jährlich um durchschnittlich 10 Milliarden von knapp 84 auf knapp 188 Milliarden US-$. Tendenz steigend. Allein das weltweite Satelliten-TV-Programm sorgte für einen Umsatz von 88 Milliarden € im Jahr 2015. Tendenz steigend.

Doch nicht nur Konsumbedürfnisse werden aus dem Weltraum befriedigt. Der Einsatz von Satelliten stellt eine bedeutsame Hilfe für die Katastrophenbekämpfung, die Waldbrand-beobachtung und -abwehr, die humanitäre und die Entwicklungshilfe dar. Dazu Wetterbe-richte, meteorologische und klimatische Studien, Materialkunde, Materialentwicklung und Materialerprobung, medizinische und biotechnologische Entwicklung und Erprobung sowie die technisch-physikalische Entwicklung und Erprobung. Profitable Geschäfte, welche in der Vergangenheit nur Staaten oder staatsnahen Unternehmen vorbehalten war. Entschieden auf globaler zwischenstaatlicher Ebene und durch den im Jahr 1967 vereinbarten und bis heute völkerrechtlich bindende Weltraumvertrag geregelt.

Und jetzt? Sind Bezos, Branson und Musk die Vorhut der modernen Space Colonizer, getreu dem Bild ihrer Vorfahren, den Siedlern im „Wilden Westen“, und reißen sich als Schnellere, Reichere und Mächtigere beherzt alles unter den Nagel? Nein, der Weltraum ist nicht der „Wilde Westen“ und wird es vermutlich auch nicht werden. Oben erwähnter Weltraumvertrag sowie einige ergänzende völkerrechtliche Vereinbarungen regeln eindeutig, dass der Weltraum der ganzen Menschheit zusteht und weder Staaten noch Einzelpersonen Eigentumsansprüche an extraterrestrischen Gebieten anmelden können. Es gibt also noch einiges in rechtlicher, wirtschaftlicher und technischer Sicht zu klären und vieles zu tun, bevor die drei Milliardärskollegen ihr Big Business im Weltall aufmachen können.

Wirtschaftlich ist dies allerdings schon heute gar nicht so schlecht, denn die (irdische) Weltraumwirtschaft setzte – wie Bezos´ Amazonkonzern im Vor-Corona-Jahr – global im Jahr 2018 rund 360 Milliarden US-$ um. Tendenz steigend!