Das Direktstudium Psychotherapie kommt – und nun?

Die Folgen des Psychotherapieausbildungsreformgesetzes:
Symposium für Studierende am Samstag, den 25.1.2020 in Köln

Ende des letzten Jahres hat der Gesetzgeber tiefgreifende Änderungen in der Psychotherapie-Ausbildung beschlossen. Schon bald, am 01. September 2020, tritt das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung in Kraft. Während die Reform auf allen Ebenen kontrovers diskutiert wurde, müssen zugehörige wichtige Verordnungen noch erst beschlossen werden: im Februar 2020 soll die Approbationsordnung verabschiedet werden, die Weiterbildungsverordnung voraussichtlich in 2021. Das neue Studium startet erstmalig zum Wintersemester 2020/21.

Reges Interesse am Psychologie-Symposium an der FHM Köln

Prof. Dr. Melanie Jonas und Dr. Ingo Jungclaussen von der FHM Köln organisierten ein ganztägiges Symposium, das Studierenden mit dem Berufswunsch Psychotherapeut/in Informationen und Orientierung im Dschungel der beschlossenen und noch zu erwartenden Veränderungen geben sollte. Neben ca. 30 Teilnehmenden vor Ort in Köln verfolgten bis zu 65 Interessenten parallel das Livestreaming über den FHM YouTube-Kanal und beteiligten sich rege mit Fragen und Anmerkungen im von Köln aus betreuten Livechat. Die als Referenten eingeladenen Fachleute gaben in ihren Beiträgen umfassende wie auch kontroverse Einschätzungen zur Gesetzesreform. 

Expertise der FHM im Themengebiet Psychologie

Doch Psychologie bedeutet weit mehr als der psychotherapeutische Ansatz und die klinische Behandlung von Patienten. Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) bietet seit fünf Jahren Studiengänge im Bereich der Psychologie an:  Neben dem B.Sc. Psychologie und dem M.Sc. Psychologie qualifiziert die FHM auch Studierende in den beiden Bachelor-Studiengängen B.Sc.  Medienpsychologie und B.Sc. Wirtschaftspsychologie sowie im berufsbegleitenden Master-Studiengang M.Sc. Betriebs- und Kommunikationspsychologie. Aktuell sind mehr als 500 Studierende in Psychologie-Studiengänge der FHM immatrikuliert. Diese werden von zehn Professoren mit verschiedenen psychologischen Schwerpunkten unterrichtet. Der Studiengang B.Sc. Psychologie wird an den FHM-Standorten in Bielefeld, Köln, Hannover, Rostock, Schwerin, Bamberg und Berlin angeboten. An der FHM Bielefeld, Hannover, Köln und Berlin kann man zudem den M.Sc. Psychologie studieren.

Vorzeitiger Studienstart zur bisherigen Regelung bis 31. August möglich

Das Themenfeld Psychotherapie wird zwar zukünftig weiterhin ein Thema der Psychologie-Studiengänge an der FHM sein, die anschließende Approbation wird dann aber allgemein an Fachhochschulen durch die neue Gesetzgebung nicht mehr möglich sein. Deshalb bietet die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Bachelorstudiengang Psychologie in diesem Jahr einen vorzeitigen Studienstart zum 31. August 2020 an. Für alle Studierende, die noch nach der bisherigen Regelung und ohne NC (Numerus Clausus) den Weg in die Psychotherapeutenausbildung nehmen möchten, ist dies der Stichtag. Damit ist sichergestellt, dass allen Studierenden der Weg in die Psychotherapeutenausbildung offensteht und für sie die Übergangsregelung von 12 Jahren (siehe unten) gilt. Der Studiengang B.Sc. Psychologie wird an den FHM-Standorten in Bielefeld, Köln, Hannover, Rostock, Schwerin, Bamberg und Berlin angeboten. Interessenten können sich ab sofort bewerben oder bei der anstehenden Info-Veranstaltung am 3. März von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr an allen Psychologie-Standorten der FHM informieren.

Auf dem Psychologie-Symposium wurden auch die aktuellen Psychologie-Studierenden der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) auf einen eigenen, besonderen Lösungsweg hingewiesen: Absolvierende des M.Sc. Psychologie an der FHM haben im Rahmen einer Kooperation mit einem Ausbildungs-Institut derzeit noch die Möglichkeit, nach dem alten System Psychotherapeut zu werden.
Interessierte können sich hier informieren.

"Ist die neue Approbation nach dem Reform-Gesetz eine Mogelpackung?"

Auf dem Symposium wurde kontrovers zum Thema diskutiert. Mit der Neuregelung sollen psychotherapeutische und praktische Ausbildungsinhalte, die vorher an den Ausbildungsinstituten erlernt worden waren, teilweise in das Studium vorverlegt werden, erklärte FHM-Hochschullehrer Dr. Dipl.-Psych. Ingo Jungclaussen anhand eines Schaubildes am Anfang. Der neue Studiengang schließe dann mit einem Master und der Approbation ab. Masterabsolvierende hätten mit der Approbation zwar offiziell – wie die Ärzte – die heilkundliche Erlaubnis, psychotherapeutisch zu arbeiten, doch fehle ihnen dann noch die eigentliche Fachkunde in der jeweiligen Psychotherapierichtung (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie, Verhaltenstherapie und jetzt neu auch in der Systemischen Psychotherapie), um gesetzlich über ein Kassensystem arbeiten und abrechnen zu können. Diese Fachkunde erwerbe der Kandidat erst in der anschließenden Weiterbildung. Ein Motiv für das neue Gesetz bestünde darin, dass der Kandidat in dieser Weiterbildung in seiner praktischen Tätigkeit besser vergütet würde als es bislang der Fall war.

Hier hätte auch eine Reform der Honorierung, quasi als kleine Lösung gereicht, merkte daraufhin kritisch der ehemalige BDP-Präsident, Prof. Dr. Michael Krämer, Professor für Wirtschaftspsychologie an der FH Münster an, der zu den stärksten Kritikern der Reform gehört: stattdessen habe die Politik eine ordnungspolitische „Revolution“ gewollt, da - quasi als Nebenwirkung zur Reform - ebenso das Studium, die Approbation, das Tätigkeitsfeld und die Berufsbezeichnung geändert wurden. Da künftig nicht mehr erkennbar sei, ob sich hinter der neuen Bezeichnung „Psychotherapeut“ ein Psychologe oder ein Arzt verberge, würde Intransparenz erzeugt und der Qualitätsausweis mit der Berufsbezeichnung „Psychologische PsychotherapeutIn“ gehe verloren. Die Approbation verliere ebenfalls an Wert, da sie ohne Nachweis der Fachkunde nur noch zur Eintrittskarte für die Weiterbildung werde. Außerdem werde die Einheit der Psychologie als akademische Disziplin künftig ernsthaft gefährdet, indem bestritten wird, dass die Psychotherapie das zentrale Berufsfeld der Psychologie ist. Durch die Ausweitung des Tätigkeitsfelds der Psychotherapeutinnen und -therapeuten könne ein unguter Wettbewerb im psychologischen Berufsfeld entstehen.

Die schlechte Bezahlung in der Ausbildungsphase sei letztlich aber immer noch eine der zentralen Triebfeder für die Gesetzgebung gewesen, betonte Referent Dr. Georg Kippels, MdB im Gesundheitsausschuss der CDU/CSU, der das Gesetz mit auf den Weg gebracht hat. Dipl.-Psych. Georg Adelmann, Sprecher der "Jungen Psychotherapeuten" in der DPtV e.V., ergänzte, dass es diesen Teil der Reform tatsächlich nur gäbe, weil Psychotherapeuten in der Ausbildung und Studierende so vehement gegen die schlechten Bedingungen protestiert hätten. Er hoffe, dass die Neuregelung die rechtlichen Grundlagen dafür schaffe, endlich eine angemessene Vergütung in der Weiterbildung zu ermöglichen und zu rechtfertigen.

Der Gesetzgeber wolle Psychotherapeuten im Sinne der Patientensicherheit besser qualifizieren, denn vor der Reform habe es eine „ernstzunehmende Schieflage in der Anwendung der Wissenschaft“ gegeben, erklärte Dr. Kippels. Das neue Studium soll eine objektive Zugangsqualifikation für Studierende schaffen und durch die Ansiedlung an Universitäten und gleichstellten Hochschulen einen höheren Akademisierungsgrad gewährleisten. Ebenfalls sollen die Studierenden im neuen Approbations-Studium die verschiedenen Psychotherapie-Verfahren sowie die Therapie von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen im höheren Maße kennenlernen.

Inwiefern die Verfahrensvielfalt allerdings von den Universitäten mit ihren bisherigen Strukturen überhaupt umgesetzt werden könne, oder ob diese weiterhin eingeschränkt bliebe und künftig auch Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (KJP) adäquat ausgebildet werden können, zweifelt Prof. Dr. phil. Michael Krämer von der FH Münster stark an.

Mit Blick auf die baldige politische Abstimmung zur Approbationsverordnung versprach Dr. Kippels, den Aspekt der Verfahrensvielfalt weiter im politischen Prozess zu berücksichtigen.

Die Übergangsregelung endet im Jahr 2032

Das neue Gesetz enthält eine wichtige Übergangsregelung für Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA), Absolventen und derzeitige Studierende in Studiengängen, die nach dem alten Gesetz den Zugang zur Therapieausbildung ermöglichen. Wichtig ist, dass sie sich erstmalig bis spätestens Ende August 2020 eingeschrieben haben.

Diese Gruppe kann ihre psychotherapeutische Ausbildung nach dem alten System bis 2032 abschließen (in besonderen Härtefällen bis 2035). Danach besteht nur noch die Möglichkeit, nach dem neuen System Psychotherapeut zu werden. Wer von den jetzigen Studierenden diesen Weg bestreiten möchte, solle sich auch möglichst frühzeitig bei den Ausbildungs-Instituten informieren und auf einen Praktikumsplatz bewerben, betont Georg Adelmann.

In der angeregten Diskussion, an der sich auch viele der Studierenden beteiligten, wurde mehrmals die für aktuellen Studierende wichtige Frage nach möglichen Quereinstiegen in das neue Studium debattiert. Insgesamt war sich das Plenum in einem Punkt einig: Die jetzigen Psychologie-Bachelor-Absolventen haben von allen die größte Wahlmöglichkeit, denn sie können sich entscheiden, ob sie nach dem alten System (innerhalb von 12 Jahren) oder neuen System (ggf. über Nachqualifizierungskurse für den neuen Master) den Weg zu Psychotherapeuten antreten wollen.

Letzte Chance für Studierende in pädagogisch-sozialen Studiengängen

Bisher konnten Studierende der Sozialen Arbeit, Pädagogik und Erziehungswissenschaften, die ihren Abschluss oft an Fachhochschulen erwerben, in einigen Bundesländern Kinder- und Jugendpsychotherapeuten werden.

Dieser Ausbildungsweg entfällt mit der neuen Reform.  Dieser „Doppelschlag“ durch den Gesetzgeber gegen diese bestehende Praxis wurde im Plenum kritisch diskutiert.  PiA-Sprecher Georg Adelmann betonte, dass es für Absolvierende dieser Studiengänge besonders wichtig sei, die Möglichkeiten nach dem alten System innerhalb der 12-jährigen Übergangszeit zu nutzen, außer diese wollten mit dem Direktstudium ohnehin neu anfangen.

Ebenso kritisch wurde gesehen, dass laut dem neuen Gesetz sowohl alte als auch neue an Fachhochschulen erworbene Bachelorabschlüsse in Psychologie nicht zum Einstieg ins neue Master-Approbationsstudium berechtigen. Die besondere Praxisnähe des FH-Studiums qualifiziere diese ja im Besonderen – so die Organisatoren - für eine angewandte Tätigkeit wie Psychotherapie.

Die Fachhochschule des Mittelstands versprach ihren aktuellen und zukünftigen Studierenden, die Entwicklungen weiter aufmerksam zu verfolgen. Dies gilt auch im Hinblick darauf, ob die Bundesländer möglicherweise doch wieder Übergangsmöglichkeiten für Fachhochschulabsolventen im Sinne der Bologna-Reform schaffen werden, z.B. durch die künftig drohende Mangelversorgung mit Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

Die positiven Rückmeldungen der anwesenden und live zugeschaltete Studierenden und Fachleute bestätigten die Organisatoren, mit dem Symposium zur richtigen Zeit einen wichtigen und notwendigen Beitrag zu mehr Transparenz bei diesem komplexen Thema geleistet zu haben.

 

 

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