Starters Summit

Drei Tage, zehn Teams und jede Menge gute Ideen – das war der Starters Summit 2019. Beim Design Thinking Camp in der FHM Bielefeld konnten Gründer und die, die es noch werden wollen, ihre potenziellen Geschäftsideen austauschen, weiterentwickeln und in die Zukunft denken. Organisiert wurde das Event von 14 Studierenden des Master-Studiengangs Crossmedia & Communication Management der FHM sowie von Designprofessor Patrice Kunte und Medienprofessorin Gabriela Jaskulla. Die Idee für das Design Thinking Camp kam den Studierenden bereits 2018, als sie erkannten: Bielefeld ist das neue Mekka der Start-up-Szene.

„Wir wollten Kreativmotor in der wirtschaftlich starken Region OWL sein und gleichzeitig eine Plattform für kuriose Ideen, kreative Einfälle und Geistesblitze schaffen. Und schon war die Idee geboren“, erklärt Projektleiterin Kirsten Fuhrmann. Das Thema „Wandern“ war dabei die kreative Metapher, „denn eine Idee beziehungsweise ein solches Projekt zu entwickeln, fühlt sich immer an wie eine Tour über unentdeckte Pfade”, sagt Projektteam-Mitglied Eduard Ebel. Durch den Begriff Gipfel (engl. Summit) waren dann auch schnell die Motive und die dekorative Gestaltung der Veranstaltungsräume klar.

Fachvorträge und „Design Thinking“ schärfen Ideen der Teilnehmer

Design Thinking ist eine Methode des nutzer- und problemorientierten Denkens, die sich an den Problemen ihrer Nutzer orientiert, diese gezielt befragt, aus den Anregungen einen Prototyp entwickelt und in ein problemlösendes, marktfähiges Produkt umsetzt. „Oft erscheinen einem Dinge intuitiv richtig, obwohl sie in die völlig falsche Richtung gehen. Da ist es wertvoll, wenn es erfahrene Gründer gibt, die ihr Wissen teilen und von deren Erfahrungen man lernen kann“, sagt Markus Sudhoff, Mentor in Residence bei der Founders Foundation und Jurymitglied beim Starters Summit.

Die Speaker und Coaches beim Starters Summit zeigten großes Interesse daran, potenziellen Gründern ihren Weg leichter zu machen. Für Markus Sudhoff eine wichtige Plattform, um Konzepte in einen Rahmen zu bringen und der Unternehmensgründung einen großen Schritt näher zu kommen. Die Bertelsmann Stiftung hat mit ihrer Initiative Founders Foundation viel Bewegung in die Start-up-Szene in Ostwestfalen-Lippe gebracht. Die Region entwickelt sich zu einem prosperierenden Hotspot fürs Gründen. Igor Simonow von den Urlaubspiraten, der 2012 zum Gründen nach Berlin gegangen ist, würde es heute anders machen: „Ich würde in Bielefeld bleiben und hier starten.“ Für Markus Sudhoff nicht verwunderlich: „OWL bietet eine gute unternehmerische Gründungsbasis, hier tummeln sich aufgrund der vielen Hochschulen nicht nur viele Talente, allgemein wird Unternehmertum als etwas Positives wahrgenommen.“ Dörte Roloff, Trainerin für Design Thinking und Moderatorin des Starters Summit, führte durch den Innovationsprozess und erklärte den Teilnehmern, worauf sie achten müssen. Betreut wurden die Teilnehmer von zahlreichen Coaches aus Wirtschaftsunternehmen wie Schüco, der Agentur Crossmedia, Nuccon und dem Hasso Plattner Institut (HPI) Potsdam. Neben den arbeitsintensiven Gruppenphasen sorgten Speaker für hilfreichen Input. Im Kick-off am ersten Abend berichtete Jan-Felix Schneider, Data Scientist bei Palantir, live zugeschaltet aus New York, worauf es beim Design Thinking ankommt. Aus München war David Sjunnesson, Design Director bei IDEO, den Erfindern des Design Thinkings, per Video zugeschaltet. Besonders beeindruckt hat der Auftritt von Igor Simonow. Er erzählte, wie aus einem kleinen Reiseblog, der seine Leser auf gute Reiseangebote hinwies, das Unternehmen Urlaubspiraten mit mehr als 200 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten weltweit geworden ist. „Der Vortrag war ziemlich inspirierend. Igor ist sehr bodenständig und kam sehr authentisch rüber“, sagt Teilnehmerin Caro.

Warum ist eine Plattform wie der Starters Summit so wichtig, wenn man gründen möchte? Man bekommt als Teilnehmer ein Gefühl dafür, in interdisziplinären Teams zusammen zu arbeiten und seine Ideen auf die Probe zu stellen. Etwas, das alle Profis ans Herz legen: nicht im Alleingang zu starten und zu überzeugt von seinem Einfall zu sein. „Man muss sich austauschen“, sagt Stefan Kisker, Head of Digital bei Territory und Speaker beim Starters Summit, der ebenfalls mehrere Unternehmen gegründet hat. „Es bringt nichts, ein halbes Jahr lang eine App zu programmieren, die keiner braucht.“ Man sollte im Vorfeld schauen, ob die Idee, die man hat, ein wirkliches Problem löst und auf Begeisterung bei potenziellen Kunden stößt. Dazu muss man rausgehen und nachhaken. So kann man Anregungen aufnehmen, nachjustieren und die Idee langsam reifen lassen. „Man muss auch lernen, trennscharf zu formulieren, um sein Vorhaben schlüssig bei Business Angels oder Investoren zu pitchen und sie zu überzeugen. Denn: Geld ist nicht das Problem.“

Gründen bedarf einer gewissen Selbstreflektion. „Keiner kann alles“, sagt Stefan Kisker. Man sollte bewusst auf die Suche nach Mitgründern aus anderen Disziplinen gehen und sich vernetzen. Aber auch über seinen Schatten springen und sich in neue Themenfelder einarbeiten. „Wer gründen möchte, muss über die Aufgaben, die ihm liegen, hinausgehen“. Und an der ein oder anderen Stelle wohl auch über einen müden Punkt. Man müsse sich darauf einstellen, sein Privatleben aber auch Luxus für einen längeren Zeitraum zurückzustellen. „Der beste Punkt zum Gründen ist, wenn man wenige Verpflichtungen hat: keine Kinder, kein geleastes Auto oder sonstige Kredite“, sagt Igor Simonow, der sich während der Gründung nur mit Arbeitslosengeld über Wasser hielt. Auch Markus Sudhoff meint, man dürfe keine Kompromisse machen, wenn man ein Start-up gründen möchte: „Man muss mit der vollen Energie und absoluten Leistungsbereitschaft dabei sein und ein starkes Interesse daran haben, von anderen zu lernen.“

„Study Connect“ erstürmt den Gipfel beim Starters Summit

Am Ende des dreitägigen Workshops konnte sich das fünfköpfige Team mit „Study Connect“ durchsetzen. Ihre Idee: Einen Co-Study-Space schaffen, bei dem Studierende verschiedener Universitäten zusammenkommen, sich kennenlernen und austauschen können. Nicht nur ihr finaler Fünf-Minuten-Pitch überzeugte die Jury. „Wir haben uns für ,Study Connect´ entschieden, weil uns das Konzept am schlüssigsten erschien. Außerdem sehen wir Bedarf in diesem Bereich und ein Geschäftsmodell hinter der Idee“, betonte Jurymitglied Daniel Blomeyer, Digital Consultant bei Comspace. Damit konnte sich das Team das Preisgeld von 1.000 Euro sichern. Das Team, das mit der App „Elisa“ Hilfestellung für Patienten mit Panikattacken und Depressionen leisten möchte, erhielt einen Sonderpreis: Sie wurden von Markus Sudhoff für ein Gespräch über ein mögliches weiteres Gründungsvorgehen eingeladen. „Die FHM hat in der Vergangenheit viele erfolgreiche Gründer hervorgebracht. Daher unterstützen wir dieses Event natürlich, denn die Themen ‚Gründen‘ und ‚Ideen entwickeln‘ sind in jedem Studiengang der FHM durch das Modul Unternehmensgründung fest verankert“, sagt FHM-Rektorin und Geschäftsführerin Prof. Dr. Anne Dreier.

Die FHM und das Team des Starters Summit möchten sich bei den folgenden Sponsoren für die Unterstützung bedanken: Stadtwerke Bielefeld, Weidmüller, Future X, Katag AG, Welland & Tuxhorn AG, Founders Foundation u.v.m.

Starters Summit 2019

  • Projektverantwortliche/Organisatoren:
    Marvin Bergner, Leonie Brüning, Eduard Ebel, Uljana Fedis, Kirsten Fuhrmann, Jan Hackenholt, Kai-Niclas Junker, Patrick Lütkepicht, Katharina Maier, Nils Krischan Mertens, Theresa Müller, Carina Schmihing, Daniela Schröder, Nils Hendrik Vogelsang
  • Studiengang: Studentisches Projekt des Master-Studiengangs Crossmedia & Communication Management
  • Designprofessor: Prof. Patrice Kunte
  • Medienprofessorin: Prof. Dr. Gabriela Jaskulla
  • Jury: Prof. Dr. Ingo Ballschmieter, Prof. Dr. Astrid Kruse, Prof. Dr. habil. Richard Merk, Daniel Blomeyer (Digital Consultant bei Comspace) und Markus Sudhoff (Mentor in Residence bei der Founders Foundation)
  • Coaches: Christian Neider, Konstanza Jochim, Raika-Sophie Rauch, Prof. Jochen Dickel, Bernd Wild, Philipp Seifert, Tanja Schulte, Alina Schauf, Philipp Renerig
  • Workshop-Dauer: 3 Tage
  • Teilnehmer: ca. 80 Studierende und angehende Gründer
  • Arbeitsgruppen: 10 Teams
  • Preisgeld: 1.000 Euro