Kurzfristige Steuersenkung für gewerblichen Diesel

Statement von Prof. Dr. Stefan Ungruh, Professor für Automotive & Mobility Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Köln.

Weil die Lieferketten in Deutschland enorm unter Druck stehen, fordert BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt in einem Interview mit der ZEIT von der Regierung einen temporären Gewerbediesel. Steuervergünstigungen, wie beispielsweise eine Rücknahme der CO2-Steuer, seien demnach unerlässlich, um die existentiell bedrohte Branche zu retten. Darüber hinaus ruft Engelhart die Politik auf, die Gesellschaft mit einer „klaren Kommunikationsstrategie“ darauf vorzubereiten, dass die Preissteigerungen auch im Warenkorb spürbar sein werden. Prof. Dr. Stefan Ungruh ist Professor für Automotive & Mobility Management der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Köln und hat den Vorschlag in einem Statement eingeordnet. 

„Steuerausfälle schmerzen unseren Finanzminister Christian Lindner. Alle Maßnahmen, die seitens der Regierung zur Entlastung von Unternehmen und Bürgern umgesetzt werden, müssen natürlich anderweitig finanziert werden. Auch staatliche Verpflichtungen gilt es durch die steuerlichen Einnahmen zu finanzieren. Was aber, wenn dem Steuerzahler plötzlich das Geld für Investitionen, Lohnzahlungen und Lebensunterhalt zur Neige geht? Eine kurzfristige und temporäre Steuersenkung für gewerblichen Diesel hilft aus meiner Sicht, Unternehmen geschäftsfähig zu halten und die Gefahr der Weitergabe von erhöhten Kosten zu reduzieren. Ansonsten droht eine Preisspirale.

Ein gleiches Gedankenspiel müssen wir zeitnah für die privaten Verbraucher, z.B. durch eine Mehrwertsteuersenkung, durchrechnen. Halten wir uns vor Augen, dass die derzeitige Situation den Produktpreis für Energieträger steigen lässt, so stellt ein temporärer Steuerverzicht zwar vorerst eine Einnahmeminderung für den Staat dar, die Folge aber von höheren Preisen für Verbraucher, die sich dem Konsum versagen, oder gar die Gefährdung von Arbeitsplätzen, würde ein weit größeres Loch in die Staatskasse reißen. Zumal die Psyche von Unternehmen, Verbrauchern und Pendlern jüngst mehr als gelitten hat. Abschließend aber müssen Beschaffungs- und Lagerprozesse neu überdacht werden, da uns die letzten 2,5 Jahre klar aufgezeigt haben, dass ein starres Verfolgen eingefahrener Prozesse bei einer so hohen internationalen Marktdynamik nicht zeitgemäß erscheint, schließlich reden wir bei Öl und Gas nicht von den einzigen Rohstoffen, die wir importieren. Ein dynamischer, Im- und Export-orientierter Markt erfordert agile Allrounder.“