Diskussionsrunde deckt Defizite auf – warum gibt es so wenige Frauen im Sportjournalismus?

Laut einer aktuellen Studie liegt der Frauenanteil im Sportjournalismus bei rund 10 Prozent. Warum gibt es so wenige Frauen in diesem Beruf? Und was kann man dagegen tun? Zu diesem Thema diskutierte am Mittwoch eine hochkarätig besetzte Talkrunde an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Mit dabei waren Katja Kraus, Geschäftsführende Gesellschafterin von Jung von Matt Sports und Almuth Schult, Torhüterin beim VFL Wolfsburg in der ersten Frauen-Fußballbundesliga. Die Runde wurde komplettiert von Fernsehmoderator Gerhard Delling, Carsten Bergmann, dem Chefredakteur der Neuen Presse Hannover, und Karolina Schmidt, Volontärin in einer Lokalredaktion und nebenberufliche Masterstudentin an der FHM. Die Diskussion wurde live auf dem YouTube-Kanal der Hochschule übertragen und ist hier frei zugänglich:

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Moderatorin Katja Kraus brachte die Sprache als erstes auf die Initiative „Fußball kann mehr“, die unter anderem von Almuth Schult ins Leben gerufen wurde: „Es hat mich überrascht und erschüttert, wie repressiv das System immer noch ist und was für ein Druck auf Frauen ausgeübt wird, die einfach nur öffentlich fordern, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten bekommen wie Männer.“

Torhüterin Almuth Schult, die bei der Europameisterschaft der Herren auch als Expertin für die ARD arbeiten wird, berichtete über ihre Initiative: „Wir als Frauen im Fußball möchten, dass neue Wege eingeschlagen werden. Dass es zu mehr Geschlechtergerechtigkeit kommt. Zu mehr Frauen, die am Lieblingssport der Deutschen, am Fußball, mitarbeiten. Es hat sich zwar schon einiges getan, aber trotzdem sind wir nicht da, wo wir als Gesellschaft schon sein könnten.“ Eine rege Diskussion entstand daraufhin mit Gerhard Delling, der auf mehr als 35 Jahre Erfahrungen als Sportreporter und -moderator zurückblicken kann: „Wer heute den Weg in den Sportjournalismus geht, der will es unbedingt und brennt für den Beruf – ganz egal, ob Mann oder Frau. Mit der richtigen Motivation und mit Sachverstand und Kompetenz schafft man es auch, davon bin ich überzeugt. Es ist ein Prozess, der bereits in Gang gesetzt wurde – ich bin mir sicher, dass Frauen bald eine größere Rolle spielen werden.“

Auf die Frage, wie er das in seinen Redaktionen erlebt, sagte Carsten Bergmann, Chefredakteur der Hannoverschen Neuen Presse: „Das sind leider reine Männerbuden. Ich finde das bedauerlich und hätte gerne sehr viel mehr Frauen bei mir in der Redaktion. Ich halte es für unglaublich wichtig, alle Blickwinkel einzunehmen und ein Spiegelbild der Gesellschaft abzubilden – auch, um andere Zielgruppen zu erreichen.“ Er beobachte in Bewerbungsverfahren, dass sich Frauen oftmals nicht den ersten Schritt in eine männerdominierte Redaktion zutrauten. „Uns erreichen kaum Bewerbungen von Frauen, Das finde ich unglaublich schade!“

Karolina Schmidt ist Volontärin bei einer Lokalzeitung und studiert nebenberuflich an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). „Ich kann den Nachwuchsjournalistinnen, zu denen ich mich auch zähle, nur zurufen: Traut euch und macht es einfach. Geht in die Redaktionen. Legt einfach los. Die Männer beißen nicht, im Gegenteil, das wird sehr gut aufgenommen.“ Auch sie findet, dass „wir gesellschaftlich schon viel weiter sein müssten. Es ist traurig, dass es eine Forderung nach einer Frauenquote geben muss. Das müsste eigentlich selbstverständlich sein!“

Auf die Frage, warum es so wenig Frauen gibt, die sich für den Beruf interessieren hat Karolina Schmidt die Antwort: „Laut einer aktuellen Studie ist der Grund Nummer eins die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gefolgt vom reinen Fokus auf den Fußball – dabei gibt es so viele andere Sportarten, die in den Hintergrund rücken. Außerdem haben Frauen demnach Sorge, dass sie nicht berücksichtigt werden und bewerben sich deshalb gar nicht erst. Insgesamt liegt der Frauenanteil im Sportjournalismus bei zehn bis elf Prozent.“

Die Fachhochschule des Mittelstands bietet mit dem Bachelorstudiengang Sportjournalismus & Sportmarketing einen Weg für Frauen und Männer, um in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen. Der Studiengang ist in Hannover und Köln in Vollzeit oder im Fernstudium studierbar und kann auch von Spitzensportlern parallel zu ihrer sportlichen Laufbahn absolviert werden.

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