Bundesförderung für Kleinstadtverbund stärkt ländlichen Raum – FHM begleitet das Projekt wissenschaftlich

Als eines von vier deutschlandweiten Modellen der „Kleinstadtakademie“ erhält der Zusammenschluss der sechs Städte Nieheim, Marienmünster, Schieder-Schwalenberg, Vlotho (alle NRW), Drebkau/Drjow (Brandenburg) und Seehausen (Sachsen-Anhalt) eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ in Höhe von rund 335.000 Euro. Die Bewilligung wurde jetzt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgesprochen. Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ist eine der Hochschulen, die das Projekt wissenschaftlich begleiten und die damit nun Lösungen für die Aktivierung von Bestandsimmobilien und Flächen in den häufig leerstehenden Ortsmitten erarbeiten werden.

Der sich durch Corona verstärkende Trend, dass Menschen Überschaubarkeit und das Leben in ländlichen, aber vitalen Gebieten suchen, bietet Chancen für Kleinstädte. Gleichzeitig gilt es, älteren Menschen passende Angebote zu machen. Das Konzept mit dem Titel „Bündnis für Wohnen im ländlichen Raum. Neue Instrumente für die Stärkung der Ortsmitte kleiner Städte und Gemeinden“ des Projektverbunds setzt dort an.

„Die Bewilligung ist eine großartige Chance für die beteiligten Kommunen. Den offensichtlichen Herausforderungen in den innerstädtischen Bereichen können wir durch die Bundesförderung in absehbarer Zeit ein fundiertes, wissenschaftlich untermauertes Konzept entgegenstellen. Allein von dem wohl ziemlich einmaligen Entwicklungsprozess werden die sechs Gemeinden enorm profitieren“, so Johannes Schlütz, Bürgermeister der antragstellenden Stadt Nieheim im Kreis Höxter.

Koordiniert wurde die Bewerbung aller sechs Kommunen bei der OstWestfalenLippe GmbH. mit Sitz in Bielefeld, die auch als begleitende Projektagentur fungiert. „Ein Vorzeige-Vorhaben mit Modellcharakter für das UrbanLand OstWestfalenLippe, das attraktive Lebensumfelder gerade in kleinen Städten schafft und damit die ganze Region stärkt“, so Annette Nothnagel, von der OWL GmbH.

Mit der Förderbewilligung für die Pilotphase bis März 2023 startet der Projektverbund jetzt mit der Entwicklung zukunftsfähiger Nutzungsmodelle für Flächen und Bestandsimmobilien in den Ortskernen der beteiligten sechs Kommunen, die mit Leerstand vieler Wohn- und Geschäftshäuser in der historischen Ortsmitte kämpfen. Es gilt, neue Wohnmodelle zu entwickeln, die im Altbestand umsetzbar sind. Damit sollen gute Rahmenbedingungen für private Initiative und Investition geschaffen werden, der Ortskern wird wieder attraktiver und mit Leben gefüllt.

„Ein attraktives Wohnumfeld und eine hohe Wohnqualität insbesondere in Kleinstädten stärkt zudem den Arbeits- und Wirschaftsstandort, so dass davon gerade für kleine und mittelständische Unternehmen im Ländlichen Raum profitieren werden“, ist sich Prof. Dr. Klaus Schafmeister sicher, der das Projekt wissenschaftlich für die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) begleitet.

Die sechs beteiligten Städte werden sich unter wissenschaftlicher Begleitung in Workshops zusammenfinden und die konkreten Nutzungsbedarfe untersuchen. Dabei wird auch konkret mit den Menschen vor Ort gearbeitet. Für die wissenschaftliche Begleitung sind die Ruhr-Universität Bochum/InWIS (Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung) sowie die Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld (Fachbereich Wirtschaft, Innovation & Raumentwicklung) beteiligt. Die daraus resultierenden Handlungsoptionen könnten die Kommunen dann vor Ort testweise umsetzen. Sind die Tests in den Städten erfolgreich, sollen sie als Muster für andere Kleinstädte dienen.

Das Vorhaben soll ein Projekt der REGIONALE 2022 werden, die von OstWestfalenLippe unter der Überschrift „Das neue UrbanLand“ ausgerichtet wird. Ziel ist damit auch, den Wissenstransfer für andere interessierte Kleinstädte in OWL herzustellen. „Kleine Kommunen sind mit einer solchen Projektentwicklung allein oft überfordert. Die Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit macht die Kommunen handlungsfähig. Durch die bundesweite Vernetzung können wir auch von guten Beispielen andernorts lernen“, erläutert Annette Nothnagel. Weiterführende Informationen: www.urbanland-owl.de

Prof. Dr. Klaus Schafmeister, Forschungsdirektor Innovation & Raumentwicklung im Mittelstand