Bielefeld wird zur Pionierstadt: Die Initiative BIE City löst mit Hackathon vier städtische Probleme

Erfolgreiches Wochenende für „das neue Normal“ in Bielefeld: Das Projekt Open Innovation City, das von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), der Founders Foundation, dem Pioneers Club und OWL Maschinenbau geführt und vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, und das Digitalisierungsbüro der Stadt Bielefeld hatten im Mai die Initiative BIE City gestartet, um neue Lösungen für ein besseres Bielefeld während und nach der Corona-Pandemie zu erarbeiten. Gemeinsam mit Bielefelder Persönlichkeiten und Unternehmen haben sie ihr Ziel erreicht: Im Rahmen des so genannten BIE City Hackathons, der am Wochenende  vom 19. bis 21. Juni stattfand, wurden vier Vorschläge erarbeitet, die nun auch weitergeführt werden. 

Ein so genannter Hackathon ist eine Wortschöpfung aus dem englischen Wort „Hack“ und dem Wort „Marathon“. Gemeint ist eine Veranstaltung, bei der Menschen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen und Talenten über einen bestimmten Zeitraum zusammenkommen, um in den Bereichen Software und Hardware gemeinsam kreative Lösungen für ein vorher festgelegtes Thema zu erarbeiten.

Der Hackathon der Initiative BIE City fand zwar zu großen Teilen digital statt und viele der etwa 50 Mitgestalterinnen und Mitgestalter nutzten die Option auf Remote-Arbeit, jedoch arbeiteten auch Teile des Teams vor Ort in den Räumlichkeiten des Pioneers Club in der Bielefelder Ritterstraße zusammen. Die eingereichten Herausforderungen, die beim Hackathon von den so genannten „Hack-Teams“ bearbeitet wurden, kamen aus den Bereichen Kultur, Gastronomie, Einzelhandel und dem öffentlichen Raum. Via Webseite (www.bie-city.de) konnte sich vorher jeder bewerben, der Lust hatte, an den Challenges teilzunehmen. 

So suchten zum Beispiel die Stadtwerke Bielefeld Ansätze, wie sich Technologien nutzbar machen lassen, um das städtische Leben in der aktuellen Corona-Situation wieder zu aktivieren. Es sollten Lösungen entwickelt werden, um den öffentlichen Raum zugänglicher zu machen und ein Infektionsrisiko gering zu halten. Die Stadtwerke und die Stadt Bielefeld haben erkannt, dass der öffentliche Raum durch die aktuellen Einschränkungen teilweise zum Erliegen gekommen ist - insbesondere droht dieses Szenario bei einer möglichen zweiten Welle. So leiden aber gerade auch die Gastronomie, der Kulturbereich, aber auch der Sport unter der Situation.

Viele neue Ansätze für ein neues Normal in Bielefeld

Am Sonntagabend wurden die Ergebnisse der einzelnen „Hack-Teams“ präsentiert, die das Wochenende vollständig genutzt hatten, um neue Lösungen zu erarbeiten. Zwei der Teams konnten sich sogar über eine Prämie und einen Geldbetrag zum Start freuen.

Hier die Lösungen der Teams: 

TooleV (Sport):

TooleV ist eine Plattform für Sportvereine, die die zentralisierte Kommunikation und Organisation von Sportvereinen ermöglicht. Die App organisiert effizient Termine, ermöglicht schnelle Zu- oder Absagen und holt digital Einwilligungen und ähnliches ein. So vereinfacht sie Mannschaften und Trainingsgruppen die Koordination. Kommunikative Hürden und Missverständnisse, die den Alltag von vielen Ehrenamtlichen prägen, werden dadurch behoben. Vom großen Nutzen der Plattform profitiert Helen Bielawa auch selbst. Sie war nicht nur Teil des Hack-Teams Spotty, sondern engagiert sich auch selbst als Trainerin: „Als Trainerin und Sportlerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Kommunikation von Sportvereinen oft sehr unkoordiniert ist. Vieles läuft über ausgedruckte Briefe, die über einzelne Trainerinnen an die Kinder und weiter an die Eltern verteilt werden. Das demotiviert alle Beteiligten und kann digital vereinfacht werden. Das gemeinsame Wochenende und die intensive Arbeit an TooleV hat mir gezeigt, dass viele solcher Probleme mit gemeinsamer Energie und Kreativität gelöst werden können. Es war toll mitzuerleben, wie alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vielversprechende Lösungen für Bielefeld entwickelt haben."

BIE Spotty (Öffentlicher Raum):

BIE Spotty wirkt dem Problem der öffentlichen Ballungszentren entgegen. Durch smarte Technologie und die Hilfe anonymisierter Daten werden sogenannte "Heatmaps" erstellt, die den Bürgern Transparenz für die Frequenz der öffentlichen Räume bieten. So kann jeder fortan via App sehen, wo sich Menschen gebündelt aufhalten und schon von vornherein überfüllte Plätze meiden. Für Dr. Meike Wocken, die im Hack-Team BIE Spotty arbeitete, hat es genauso eine Hilfe dringend gebraucht: "In der aktuellen Situation steigt das Ansteckungsrisiko mit COVID19 in Menschenansammlungen - aber auch darüber hinaus sind überfüllte Plätze eine Herausforderung für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger. BIE Spotty bietet, basierend auf der anonymisierten Erkennung von Personenaufkommen im öffentlichen Raum, Lösungen zur Vermeidung überfüllter Plätze. Davon können alle Teile der Gesellschaft profitieren."

Gastident (Gastronomie):

Gastident ist eine Software und digitalisiert die Gastdatenerfassung. Das Durcheinander der Zettelwirtschaft soll somit digital verwaltet werden und eine Verbesserung Gastronomen und Gäste darstellen. Konkrete Mehrwerte sind die Vermeidung von Infektionsquellen wie Kugelschreibern, die Vermeidung von Wartezeiten und das Schützen persönlicher Daten der weiteren Gäste. 

ANA Shopping (Einzelhandel):

ANA Shopping ist eine App, die die Wartezeit vermindert und das Kundenerlebnis im Handel verbessert. Über die App können Shops gesucht oder QR-Codes eingescannt werden - dadurch erhält der Kunde einen Fastpass und bekommt somit Einblick in die Frequenz der Geschäfte oder kann seine Produkte reservieren. Gleichzeitig kann der Händler über die App einer Überfüllung entgegenwirken. 

Gelungene Lösungen, zufriedene Initiatoren

Jede der vier Ideen wird weitergeführt, die Ideen und Ansätze von TooleV und BIE Spotty wurden jeweils mit 1500 Euro von der Sparkasse Bielefeld und der Volksbank Bielefeld-Gütersloh prämiert. 

Auch Henning Duderstadt, Leiter des Innovation Office, freute sich über den gelungenen Hackathon und den Einsatz und die Kreativität der Teilnehmer und Teilnehmerinnen: „Der BIE CITY Hackathon hat vier wirkungsvolle Lösungsansätze hervorgebracht, die wir nun in die Bereiche der Stadtgesellschaft integrieren wollen. Wir sind überzeugt, dass unser Hackathon zu einem besseren gesellschaftlichen Zusammenleben führen kann." Matthias Eichler, Leiter Digitalisierungsbüro Stadt Bielefeld, ergänzt:  "Unsere Zielsetzung mit der Initiierung des Hackathon war, Ideen und Aktivitäten zu entwickeln, die die Menschen bei den Herausforderungen des Alltags unterstützen. Und das ist den Teams voll gelungen. Den Ansatz, die dezentrale, kollektive Kreativität der Stadtgesellschaft zur Lösung der aktuellen Herausforderungen einzubeziehen bewerten wir als ein Modell, das zu sehr guten Ergebnissen mit hoher Relevanz führt. Bielefeld ist die erste Stadt in Deutschland, die diese Art der Lösungsfindung vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Situation einsetzt."

 Beim Hackathon dabei waren u.a. Henner Zimmat, Vorsitzender der Kaufmannschaft Altstadt e.V., Philipp Marsell Gründer und Geschäftsführer der Limoment GmbH und der Gutscheinplattform „From OWL with LOVE“, DansArt Tanznetworks Bielefeld mit Ulla und Tchekpo Dan Agbetou, Martin Uekmann, Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld GmbH und der Sportbund Bielefeld. 

Zum Hintergrund der Initiative:

Die Initiative BIE City wurde aufgrund der Überzeugung ins Leben gerufen, dass die aktuelle Situation rund um COVID-19 einen neuen Alltag herbeiführt.  Die Initiative will das städtische Leben in Bielefeld neu beleben und erlebbar machen und der Gastronomie, dem Einzelhandel, den Bereichen Kunst, Kultur und Sport, dem öffentlichen Raum und dem Bereich Mobilität dabei helfen, sich auf das „Neue Normal“ auszurichten, sich darauf zu freuen und die Lebensqualität aller nachhaltig zu verbessern.

Zu den Partnern der Initiative:

Die Initiative wurde von zahlreichen Sponsoren und Partnern unterstützt. Darunter befinden sich u.a. die Stadtwerke Bielefeld, die Sparkasse Bielefeld, die Volksbank Bielefeld-Gütersloh, die Kaufmannschaft Bielefeld e.V, die PR-Agentur The Trailblazers und From OWL with Love.

BIE City ist eine Initiative der Open Innovation City, gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und vom Digitalisierungsbüro der Stadt Bielefeld.

Erfolgreiches Wochenende für „das neue Normal“ in Bielefeld: Helen Bielawa (links, TooleV, Sport) und Meike Wocken (BIE Spotty, Öffentlicher Raum) arbeiteten drei Tage intensiv an Lösungen für ihre Stadt. Am Ende wurden vier Ideen vorgestellt, die jetzt weiterverfolgt werden. Fotos: Leslie Marie Johannmeier