Leitmottos und Leitbilder in der Fußball-Bundesliga

Eine Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) am Standort Köln beschäftigte sich mit den Leitmottos und Leitbildern der Fußball-Bundesligavereine der kommenden Saison 2018/19. Das Managementinstrument, das Wirtschaftsunternehmen als Grundlage des wirtschaftlichen Handelns dient, kommt auch im Profifußball immer mehr in Mode. Dabei überraschen manche Bundesligisten mit mehr als Floskeln von Tradition und Erfolg.

Im Zuge der weiter voranschreitenden Professionalisierung im Fußball haben die Bundesligavereine zunehmend auch das Nachdenken über Grundauftrag, Sinn und Werte ihres Tuns entdeckt. Als Leitbild, Unternehmensphilosophie oder auch als Begriffspaar mit Vision und Mission bilden die Ergebnisse dieses Nachdenkens die sinngebende Basis des unternehmerischen Tuns. Das verschriftlichte Selbstverständnis dient nicht nur der Orientierung für die Mitarbeiter, sondern auch als Information für Fans, Sponsoren und für die Öffentlichkeit über die grundlegenden Werte und Ziele. Eine studentische Forschungsgruppe des Studiengangs Sportjournalismus & Sportmarketing unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Groll untersuchte die Leitmottos und Leitbilder der aktuellen Bundesligisten.

16 der 18 Vereine in der Bundesliga haben ein Leitmotto. Ein Leitmotto ist eine kurze, prägnante Aussage, die das Leitbild auf den Punkt bringt und sich leicht ins Gedächtnis der Bezugsgruppen einprägen soll. Dabei beziehen sich die Leitmottos beispielsweise auf die Tradition des jeweiligen Vereins. So tritt die Borussia aus Mönchengladbach unter dem Motto „Die Fohlen“ auf, eine Bezeichnung, die auf den wilden, stürmischen Fußball der Borussia aus den 1970er Jahren anspielt. Ebenfalls auf Traditionen setzt der VfB Stuttgart mit dem Motto „furchtlos und treu“. Ursprünglich vom königlichen Haus Württemberg als Wahlspruch vor rund 200 Jahren im jungen Württemberg eingesetzt, wurde er auf den VfB umgemünzt. „Furchtlos“ steht für das Vertrauen in die Jugend und als Bekenntnis zu einem mutigen Fußball und „treu“ für die starke Bindung des VfB zur Region.

Eines der bekanntesten Leitmottos gehört mit „Mia san mia“ dem FC Bayern München. Weitere populäre Leitmottos sind „Wir leben Dich“ (FC Schalke 04), „Echte Liebe“ (Borussia Dortmund), „Lebenslang Grün-Weiß“ (Werder Bremen) und „Niemals alleine“ (Hannover 96). Gerade die Niedersachsen sprechen mit ihrem Leitmotto „Niemals alleine“ ein sensibles Thema an und erinnern an ihren verstorbenen Torhüter Robert Enke, der an Depressionen litt und sich das Leben nahm. Der Hauptstadtklub Hertha BSC sticht dagegen mit einem selbstbewussten und zugleich visionären Leitmotto heraus: „Die Zukunft gehört Berlin. Aus Berlin, wie Berlin, für Berlin“.

Immerhin elf der Bundesligisten, die in der kommenden Saison 2018/19 den Meister ausspielen werden, haben neben einem Leitmotto auch ein darüber hinaus gehendes Leitbild, auch wenn es nicht immer Leitbild genannt wird. Zu den Vereinen, die ihren Grundauftrag und ihre Grundwerte schriftlich formuliert haben, zählen der FC Schalke 04, der 1. FC Nürnberg, Hertha BSC, VfB Stuttgart, FC Augsburg, TSG Hoffenheim, VfL Wolfsburg, Fortuna Düsseldorf, Borussia Dortmund und der FSV Mainz 05.

Ganze neun Vereine, also die Hälfe aller Vereine, berufen sich auf Tradition, einem Wert, der hauptsächlich auf dem Faktor Zeit beruht. Es gibt allerdings auch Mannschaften, die in der Bundesliga noch keine lange Historie haben, wie zum Beispiel die TSG aus Hoffenheim und die Leipziger Bullen. Das Wort „Tradition“ sucht man folgerichtig bei deren propagierten Werten vergebens. Stattdessen verweisen sie wie die TSG aus Hoffenheim auf Innovation und Bodenständigkeit, was angesichts ländlicher Umgebung und der Unterstützung durch das Software-Unternehmen SAP naheliegend ist. Die Leipziger hingegen bleiben ihrer polarisierenden, marketinggetriebenen Linie treu und proklamieren: „Wir sind Leipzig. Wir sind Fußball. Wir sind hier, um Fußball zu spielen und den Fußball zu feiern. Wir wollen etwas bewegen. Den Ball. Das Spiel. Das Land.“

Dem entgegen steht beispielsweise der 1. FC Nürnberg, fast schon besser bekannt als „Der Club“, eine Bezeichnung, die auch das Leitmotto darstellt. Die propagierten Werte der Franken sind unter anderem „Mythenkultur“, „Spielkultur“ und „Sozialkultur“. Weiterhin gehen die meisten Mannschaften auf gesellschaftliche Werte ein, die in der heutigen Zeit als selbstverständlich betrachtet werden sollten. Werte wie Respekt, Toleranz und Solidarität findet man fast überall in den Grundwerten der Vereine der höchsten Spielklasse. Manche Bundesligisten taucher tiefer in die Materie ein. Beim FSV Mainz 05 beruft man sich auf den Wiedererkennungswert der Art des Fußballspielens, auf die Leidenschaftlichkeit trotz Kommerz sowie auf die auch durch Jürgen Klopp geprägte Fankultur. Der FC Schalke 04 hingegen versteht sich als Kumpel- und Malocherclub, der ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Nationalitäten sei.

Einzig der SC Freiburg und Eintracht Frankfurt verfügen weder über ein Leitmotto, noch über aussagekräftige und den Grundauftrag widerspiegelnde Werte. Eine unlösbare Aufgabe wäre es sicherlich nicht, auch für diese Vereine etwas Passendes, aber auch Überraschendes zu finden.

Leitmottos der Bundesligisten der Saison 2018/19:

FC Schalke 04

Wir leben dich

1. FC Nürnberg

Der Club

Hertha BSC

Die Zukunft gehört Berlin

VfB Stuttgart

Furchtlos und Treu

FC Bayern München

Mia san mia

SC Freiburg

-

FC Augsburg

Eine Region – Ein Verein – Eine Leidenschaft

VfL Borussia Mönchengladbach

Die Fohlen

TSG 1899 Hoffenheim

Ein Team. Ein Weg. Einmalig.

RB Leipzig

Die Roten Bullen

VfL Wolfsburg

Fußball ist Alles.

Fortuna Düsseldorf

Fortuna DNA

BVB 09 Borussia Dortmund

Echte Liebe

SV Werder Bremen

Lebenslang grün-weiß

SG Eintracht Frankfurt

-

1. FSV Mainz 05

Unser Traum lebt

Bayer 04 Leverkusen

Die Werkself

Hannover 96

Niemals alleine

 

Kontakt:

Professor Dr. Michael Groll

Telefon: 0221 - 258898-130

groll@@fh-mittelstand.de

Die studentische Forschungsgruppe des Studiengangs Sportjournalismus & Sportmarketing unter der Leitung von Professor Dr. Michael Groll