Hier geht’s um was! Studierende im FHM-Vierer beim „Rudern gegen Krebs“ in Celle

Es duftet nach frischem Kaffee und, irgendwann, auch nach Bratwurst. Frauen mit entschlossenen Mienen tragen selbstgebackene Prachtkuchen zu improvisierten Buffets. Kinder kreischen, Väter singen – keine Frage, hier handelt es sich um eine typische Veranstaltung des Breitensports. Und doch ist etwas anders in Celle: Die 126 Rudermannschaften, die sich in Vierergrüppchen finden, tragen Namen wie „Ruderluder“ oder „Wilde Herzen“, zwischen den Ständen mit köstlichem Kirschkuchen und Wein aus Rheinhessen finden sich Infostände, und eifrige Ehrenamtliche informieren über „Typisierung“: Hier wird dafür geworben, sich in eine Datei für potenzielle Stammzellenspender eintragen zu lassen.

Bei „Rudern gegen Krebs“ geht es um viel mehr als um‘ s Gewinnen, und der Verband der Breitschultrigen hat sich einiges einfallen lassen, um die Benefiz-Regatta zu einem Ereignis werden zu lassen. Das ist gelungen: Ganz Celle ist auf den Beinen. Die Regatta ist sportlich und gesellschaftlich ein „Must“, die Landesregierung hat einen Staatssekretär geschickt, das Theater ein Team und seinen Intendanten, „tout Niedersachsen“ lässt sich blicken. Schon vor dem Start ist diese Veranstaltung ein Riesenerfolg – dreimal mehr Teams starten hier als im viel größeren Hamburg. In insgesamt 23 Städten findet das Ruderereignis statt.

Schon morgens um sieben teilt Klaus Scheerschmidt mit seinen Ruderarmen die Menge. Das wird so bleiben: Wo der 48-jährige Landestrainer ist, ist Ruhe – und doch gleichzeitig das Auge des Hurricans. Ruderer-Eigenart.

Derselbe Klaus Scheerschmidt war es, der die Studierenden der FHM angesprochen hatte: Ob sie nicht Lust hätten, beim Rudern mitzumachen? Das war während der Verleihung des Niedersächsischen Sportjournalistenpreises. Die Studierenden des Fachs „Sportjournalismus und Kommunikation“ waren von dem freundlichen Hünen begeistert gewesen. Sie hatten ihn zum Thema Sportförderung befragt, und Klaus Scheerschmidt hatte sie bereitwillig an seinem Expertenwissen teilhaben lassen.

Und nun dieses Angebot! Schnell hatte sich ein FHM-Vierer gefunden, und Klaus Scheerschmidt selbst hatte die kleine Truppe trainiert: Auf der Aller, eben bei Celle, in richtigen schnittigen Rennbooten, von denen eines gerne mal über 10.000 Euro kosten kann. Louisa-Maria Reinhardt, Katharina Weykopf, Nina Haberlandt und Paul Felix Wiese ließen sich vom Wert des Materials und dem Status ihres prominenten Trainers aber nicht allzu lange beeindrucken – sie legten sich richtig in die Riemen. Und natürlich hat es ausgerechnet während ihrer Trainingseinheiten das einzige Mal in diesem Jahrhundertsommer mal so richtig gewaltig geregnet – während an den anderen Tagen die Sonne unbarmherzig auf die Allerauen brannte!

Klaus Scheerschmidt lacht gutmütig: „Das ist nun mal so beim Rudern ...“ Wetterfest muss man sein. Und im Team richtig gut zusammenarbeiten. Das Rudern bringt nicht nur Schmackes in die Arme und brennende Oberschenkel – es ist auch eine Schule für‘ s Leben, ein technisch anspruchsvoller und gleichzeitig ausgleichender Sport.

Der Regatta-Tag war nun der Lohn der vielen Mühen. Mit Doktorhüten und (bis zum Start) den entsprechenden Umhängen waren die vier Studierenden der FHM ein Blickfang. Gemerkt haben sie das selber kaum – zu hoch war die Konzentration. Kritisch verfolgte Klaus Scheerschmidt vom Ufer aus das Rennen, und auch die Dozentin, Professor Gabriela Jaskulla, konnte ihre Anspannung kaum verbergen. Zwar geht es hier eigentlich um nichts – aber echte Sportfans wollen eben ihr Team gewinnen sehen.

Am Ende reichte es zwar nur für den undankbaren vierten Platz in der Mixed-Gruppe – auf der rund 300 Meter langen Strecke auf der Aller gaben die vier aber ein harmonisches Gesamtbild ab. „Das war schon ganz gut“, sagte der Trainer in der Abschluss-Ansprache in der Kabine. Die vier waren sich einig: In zwei Jahren wollen sie wieder mit dabei sein. Nur weiter vorne. Und Mannschaftskapitänin Katharina Weykopf träumt schon von größerer Beteiligung der FHM: „Wir brauchen mehr Boote – nicht nur eines. Drei oder vier FHM-Boote – das wäre doch was!“ Stimmt. Und warum gibt es eigentlich nur in England Universitäts-Achter?