Die Vielfalt der Psychologie - Symposium an der FHM Bamberg

Die FHM Bamberg hatte am vergangenen Mittwoch erneut zu einem Symposium geladen. Unter dem Titel „Die Vielfalt der Psychologie“ stellten sechs Hochschullehrer der FHM unterschiedliche Themen aus den Bereichen Neurokognition, Arbeits- und Organisationspsychologie, Medienpsychologie, allgemeine Psychologie, klinische Psychologie und Sozialpsychologie vor und beantworteten die interessierten Fragen der rund 60 Teilnehmer.

Prof. Dr. Franziska Süß von der FHM Bamberg begrüßte die Studierenden und externen Teilnehmer. In ihrem Eröffnungsvortrag „Autismus-Spektrum-Störung - mögliche Erklärungsansätze aus der psychologischen Forschung“ erläuterte Süß Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störung in den verschiedenen Schweregraden. Die verschiedenen Forschungsansätze zur Erklärung der Störung, zum Beispiel basierend auf der Theory of Mind, beschränken sich bislang vorwiegend auf einzelne Symptombereiche.

Im zweiten Vortrag „Persönliche Ziele bei der Arbeit: Azubis und ihr Wohlbefinden“ beschäftigte sich Dr. Katherine Bruns, Hochschullehrerin an der FHM Hannover, mit dem Viertel aller Azubis, die die Ausbildung in Deutschland abbrechen. Durch eine Umfrage unter Auszubildenden kann sie belegen, wie wichtig das Erreichen von Zielen für die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit ist. Sie rät Ausbildern deshalb, frühzeitig erreichbare Ziele mit den Auszubildenden zu definieren und darüber im engen Austausch zu bleiben, um die Abbrecherquote zu senken.

Prof. Dr. Erko Martins von der FHM Rostock griff ein Thema auf, mit dem alle Teilnehmer tagtäglich mehr oder weniger bewusst konfrontiert sind: „Die Kraft von Marken. Einblicke in die Markenpsychologie“. In einem Selbstversuch mit einer Blindverkostung von Colagetränken wurde den Teilnehmern deutlich, wie sehr Marken unsere Vorstellung von Qualität beeinflusst.

Nach der Pause stellte Prof. Dr. Melanie Jonas von der FHM Köln in ihrem Beitrag „Nachahmen erlaubt – Imitation und Spiegelneurone“ die Frage, ob Menschen mit Spiegelneurone geboren werden oder ob sie durch lernen entstehen. Obwohl es Hinweise gibt, dass schon Säuglinge imitieren, steht der Beleg für angeborene Spiegelneurone aus.

Prof. Dr. Silke Springensguth von der FHM Bielefeld erweckte mit ihrem Vortrag „Prüfungsangst, Dämonophobie & Co. – Angststörungen und ihre Therapie“ das besondere Interesse der Studierenden. In anonymen Live-Umfragen wurde klar, wie viele Teilnehmer unter verschiedenen Ängsten leiden. Häufig werden Ängste ausgehalten, obwohl sie ausgesprochen gut therapiebar sind. Für die Studierenden mit Prüfungsangst gab es praktische Tipps, wie sie mit dem Druck besser umgehen lernen können.

Zum Abschluss gab Dr. Philipp Süssenbach, Hochschullehrer an der FHM Bielefeld, einen Einblick in die eigene Forschung „Vergewaltigungsmythen – Stereotype Einstellungen zu sexueller Gewalt und ihre Konsequenzen“. Durch die #metoo-Debatte wurde das Thema sexuelle Gewalt in den letzten Monaten zunehmend öffentlich diskutiert und auch die Mythenbildung wie z.B. die Annahme der Mitschuld des Opfers deutlich. Süssenbach zeigte auf, dass Vergewaltigungsmythen etwa zur Relativierung der Täterschuld führen können und auch mit verantwortlich sind, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Opfer die Tat tatsächlich anzeigt.

Die FHM Bamberg kann auf eine gelungene Veranstaltung mit einem intensiven Austausch zwischen Referenten und Publikum zurückblicken, die deutlich gezeigt hat, wie vielseitig die Disziplin Psychologie ist.

Die sechs Referenten des Symposiums: Prof. Dr. Erko Martins, Prof. Dr. Silke Springensguth, Prof. Dr. Franziska Süß, Prof. Dr. Melanie Jonas, Dr. Philipp Süssenbach und Dr. Katherine Bruns

Programm des Symposiums "Die Vielfalt der Psychologie"

Rund 60 Teilnehmer hörten die Vorträge aus den Bereichen Neurokognition, Arbeits- und Organisationspsychologie, Medienpsychologie, allgemeine Psychologie, klinische Psychologie und Sozialpsychologie