Buchlesung mit Hasnain Kazim an der FHM Köln

 Immer wieder bekommt Hasnain Kazim Post von Bürgern, die ihn „rausschmeißen“ wollen. In seinem Buch „Post von Karlheinz“ verarbeitet er persönliche Erlebnisse mit Hassbotschaften von „(r)echten“ Deutschen. „Wütende Mails von richtigen Deutschen“ lässt er nicht unkommentiert stehen. Letzten Donnerstag las der Autor an der FHM Köln einige Passagen aus seinem Buch vor.

Wer ist Hasnain Kazim?

Das Publikum lauscht den ironischen Worten von Hasnain Kazim. „Salam aleikum. In Wahrheit bin ich ein Kalif, ein Islamist.“ Wer ist dieser oft betitelte „typische Moslem“ wirklich? Der gebürtige Oldenburger ist ein deutscher Buchautor und Journalist mit indisch-pakistanischen Wurzeln. Als Auslandskorrespondent schreibt er für den Spiegel und berichtet über Themen wie Islamismus, Nationalismus, Patriotismus.

„Halt die Fresse Kanake“ – Schweigen ist keine Option

„Ausländer raus“ oder „Halt die Fresse Kanake“ – das sind wohl oder übel die harmloseren Aussagen, die sich der Spiegel-Autor mit fremdklingendem Namen anhören muss. Nachdem der Autor Anfang 2016 öffentlich die Pegida-Kundgebung kritisierte, folgten schlimmere Entgleisungen wie: „Man sollte dir alle Knochen brechen“. Schweigen ist keine Option: „Wenn wir beginnen diesen Hass zu ignorieren, akzeptieren wir ihn. Also reden wir!“, so Kazim.

Mit Humor auf Augenhöhe gegen Hetze im Netz

Hass habe es laut Kazim schon immer gegeben. „Mit 16 bekam ich die ersten Drohbriefe“, erzählt der Buchautor. Heute sei eine Meinung schnell hingeschrieben, hingekotzt, betont er. Nach seinem Kommentar gegen die Pegida Bewegung im Jahr 2016, erreichten ihn mehr als 10.000 Hassmails. Der Autor habe beschlossen in den Dialog zu gehen. Seine Devise: „Ich geb´ Euch Augenhöhe“ – „ab jetzt rede ich mit allen“, den „besorgten Bürgern“, den „Rassisten“, „Frustrierten“ und „Wütenden“. Seine Antworten sind oft ironisch im Ton, aber Ernst in der Sache. Manche Mail-Verfasser würden sich tatsächlich für Ihre Ausfälle entschuldigen. Ob er seine Gesprächspartner zum Umdenken bewegen könne, wisse Kazim aber nicht. Doch es sei der „Ton“ der sich teilweise im Gesprächsverlauf ändern würde, meint der Autor. Eine Auswahl der Dialoge veröffentlichte Hasnain Kazim in seinem jüngsten Buch: "Post von Karlheinz - wütende Mails von richtigen Deutschen und was ich ihnen antworte".

Post vom Schmierfinken

Auch der Titelgeber des Buches, Karlheinz hat auf seinen Aufruf: „Komm zu mir du Schreiberling und ich zeige dir was ein echter Deutscher ist“ eine Antwort vom „Schmierfink“ bekommen. Kazim hat die Einladung nicht unkommentiert stehen lassen und den Besuch seiner Großfamilie samt Reisebus und Kuchen angekündigt. Geplant habe Kazim sein neues Buch jedoch nicht. Als der Autor den Dialog mit Karlheinz auf Facebook postete, hätten Verlage noch mehr „Irre Dialoge“ angefragt. Zunächst habe der Autor die Buchidee abgelehnt. Den Hass für die Ewigkeit auf Papier zu drucken, habe Kazim abgeschreckt. Nach vielen Gesprächen willigte er jedoch ein, um über die neuen Formen der Menschenfeindlichkeit aufzuklären.

Neue Buchprojekte

Nicht gesucht, aber gefunden habe Kazim sein neues Buchtthema, nachdem er Zuschriften wie: „Endlich wissen wir, wie man streitet“ bekommen habe. Doch Kazim gehe es in seinen Dialogen nicht ums streiten. Er will einen Dialog auf „Augenhöhe“ führen und diesem Thema widmet er sich in seinem neuen Buchprojekt.

Die FHM Köln bedankt sich für die Buchlesung und ist gespannt auf Hasnain Kazims neue Bücher.

Spiegel-Autor Hasnain Kazim berichtet in der FHM Köln über seine Erfahrungen mit Hassnachrichten und liest Passagen aus seinem Buch "Post von Karlheinz - Wütende Mails von richtigen Deutschen und was ich ihnen antworte".

Wachsam lauscht das Publikum den ironischen Worten von Hasnain Kazim. Der Buchautor trifft mit seiner sarkastischen Reaktion auf die Hassmails, den Humor des Publikums.