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Fachhochschule des Mittelstands (FHM): Status quo, Perspektiven und Ziele - Ein Interview mit der Hochschulleitung

FHM Rektorin Professor Dr. Anne Dreier und FHM Geschäftsführer Professor Dr. Richard Merk.

06.10.2016

Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) wurde im Jahr 2000 mit 54 Studierenden und zwei Studiengängen in Bielefeld gegründet. 16 Jahre später sind an den heute sieben Hochschulstandorten 4.666 Studierende in 30 Bachelor- und neun Masterstudiengängen eingeschrieben. Die FHM befindet sich seit Jahren auf einem kontinuierlichen Wachstumskurs.

Professor Dr. Dreier, Professor Dr. Merk, die FHM geht mit dem aktuellen Studienbeginn in ihr 17. Jahr. Wie würden Sie die Entwicklung der FHM seit ihrer Gründung beschreiben?

Professor Merk: Wir haben seit der Gründung der FHM die Zahl der Studierenden kontinuierlich aufbauen können. Das ist eine Leistung, auf die wir stolz sind. Die Entwicklung der Hochschule zeichnet sich durch ein permanentes und überdurchschnittliches Wachstum aus. Innovative Studiengänge, individuelle Betreuung, exzellente Kontakte zur Wirtschaft und eine hohe Qualität in der Lehre – dieses Konzept ist erfolgreich.

Professor Dreier: Zudem ist die FHM die erste und einzige Hochschule, die von und für den Mittelstand in Deutschland gegründet wurde. Diese Mittelstandsorientierung spiegelt sich sowohl in Studium & Lehre, Forschung & Entwicklung als auch bei der fortschreitenden Internationalisierung konsequent wider. 

Welchen unmittelbaren Einfluss hat die Mittelstandsorientierung auf die Qualifizierung der Studierenden?

Professor Merk: Die Qualifizierung der künftigen Fach- und Führungskräfte in der FHM ist geprägt von den Bedürfnissen und dem Bedarf der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Durch unsere engen Kooperationen mit der Wirtschaft und auch durch die Präsenz unserer Studierenden in Unternehmen – jeder Studierende der FHM absolviert eine sechs- oder dreimonatige Studienphase in Firmen – wissen wir sehr genau, welche Kompetenzen unsere Absolventen für die Zukunft benötigen. Das ist auch der Schlüssel, um nach dem Studium einen erfolgreichen Einstieg in eine Fach- und Führungsposition zu schaffen.

Was ist darüber hinaus die Besonderheit eines Studiums an der FHM?

Professor Dreier: Allen Studiengängen der FHM liegt von Anfang an ein besonderes Kompetenzmodell zugrunde: Im Kern steht natürlich die individuelle Fach- und Methodenkompetenz eines jeden Studiengangs. Jeder Studierende erhält darüber hinaus eine grundlegende Wirtschaftskompetenz. Dies bedeutet: Jeder Studierende an der FHM hört BWL oder Unternehmensgründung, ganz gleich, ob er Journalismus, Betriebswirtschaft oder Soziale Arbeit studiert. Hinzu kommen die personalen und sozialen Kompetenzen sowie die Aktivitäts- und Handlungskompetenzen. Diese Kombination qualifiziert unsere Absolventen für Fach- und Führungsaufgaben in Unternehmen. Darüber hinaus entwickeln wir innovative Studiengänge für Branchen, in denen in einigen Jahren qualifiziert ausgebildete Akademiker benötigt werden. Dies gilt beispielsweise für die Bachelor-Studiengänge Vegan Food Management, Soziale Arbeit & Management oder Medical Sports & Health Management. Wir entwickeln permanent neue Studiengänge, die auch stark nachgefragt werden. Wie zuletzt Psychologie oder Sozialpädagogik & Management, die nach wie vor große Bewerberzahlen aufweisen.

Wie geht es für die FHM Studierenden dann nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium weiter?

Professor Dreier: Laut unserer letzten Absolventenstudie sind 74 Prozent unserer Absolventen innerhalb von vier Wochen nach Abschluss des Studiums in einem Job – 22 Prozent haben sich für ein aufbauendes Master-Studium eingeschrieben. Dies ist eine Erfolgsquote von 96 Prozent.

Professor Merk: Im Prinzip bedeutet dies eine Job-Garantie, wenn die Studierenden die FHM erfolgreich absolvieren. Voraussetzung dafür ist aber das Engagement aller Studierenden. Man muss mitmachen, mitreden und miteinander lernen, dann stehen unseren Absolventen alle Türen offen. Jeder kann und soll sich aktiv einbringen. Das hohe Engagement, was wir an der FHM verlangen, wird später auch im Job verlangt, um Führungspositionen zu erreichen. Möglich wird die Entfaltung und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten schon in den kleinen Studiengruppen der FHM– im Durchschnitt werden weniger als 15 Studierende in einer Studiengruppe unterrichtet. Dazu kommt eine sehr gute Betreuung und Förderung durch die Professoren und Lehrbeauftragten sowie die vielen praxisnahen Lehrprojekte.

In diesem Studienjahr sind an der FHM deutschlandweit fast 5.000 Studierende eingeschrieben. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Professor Merk: Dieser insgesamt überwältigende Erfolg auch in diesem Jahr bei den Bewerberzahlen bestärkt uns, den bisherigen Weg der FHM weiterzugehen. Die Nachfrage nach einem Studium an der FHM ist nach wie vor ungebrochen.

Neben der erfolgreichen Entwicklung in „Studium & Lehre“ hat die FHM seit ihrer Gründung auch konsequent den Bereich „Forschung & Entwicklung“ fokussiert.

Professor Dreier: Neben Studium & Lehre ist Forschung & Entwicklung ein Kernbereich einer wissenschaftlichen Hochschule. Wir setzen unsere Forschung anwendungsorientiert um und haben uns auf die Mittelstandsforschung mit sechs großen Themenfeldern fokussiert: Unternehmertum, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung & Kompetenzen, Gesundheit & Tourismus sowie Personal.

Professor Merk: Wir forschen als Hochschule anwendungsorientiert und das sehr erfolgreich. Wir haben regionale, nationale und internationale Forschungsprojekte gewinnen können. Der Großteil der Fördermittel für internationale Forschungsprojekte kommt von der Europäischen Union oder aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Wir haben aber auch einige Stipendien von chinesischen Universitäten gewinnen können, die ihren Studierenden ein Studium an der FHM in Deutschland ermöglichen. Das ist für uns wirklich etwas Besonderes und eine Auszeichnung.

Wo und in welchen Regionen werden die internationalen Forschungsprojekte schwerpunktmäßig durchgeführt?

Professor Merk: Seit mehr als zwölf Jahren haben die internationalen Projekte einen Schwerpunkt im asiatischen Raum: In Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Moldawien, Usbekistan, Litauen, Lettland… Dort haben wir ausgesprochen gute Hochschulkooperationen und schaffen es immer wieder, Folgeaufträge und neue Projekte in diesen Ländern zu gewinnen. Die Zusammenarbeit ist hervorragend.

Wo liegen die Schwerpunkte in der nationalen Forschung?

Professor Merk: Hier sind vor allem unsere Stiftungsprofessuren und die Arbeit unserer FHM-Institute zu nennen. Zum Beispiel: Das „Center for Sustainable Governance (CSG)“ mit Institutsleiter Dr. Norbert Röttgen, Mitglied des Bundestags (MdB) und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Aufgabe des CSG ist es, ökologische, soziale und ökonomische Kriterien für die Nachhaltigkeit zu konkretisieren, ihre Einhaltung zu verfolgen und damit die Entwicklung insbesondere auch mittelständischer Unternehmen transparent zu machen. Das CSG ist komplett aus der Wirtschaft gefördert worden – samt einer Stiftungsprofessur und wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Professor Dreier: Das Institut für den Mittelstand (IfM) an der FHM spielt eine große Rolle, um mittelstandsorientierte Themen zu fokussieren. Vor einigen Monaten haben wir ein Forschungsprojekt aus dem Wirtschaftsministerium NRW zum Zukunftsthema Digitalisierung im Mittelstand gewinnen können. Ein weiteres, großes Projekt ist „Diversity und Chancengleichheit“, welches das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) für die kommenden drei Jahre fördert. Wir sind als Fachhochschule des Mittelstands auch im Bereich Forschung & Entwicklung gut aufgestellt.

Das trifft auch auf den Bereich „Internationales“ zu. Die FHM ist global vielfältig vernetzt.

Professor Dreier: International haben wir uns stark entwickelt. Mit unserem „Campus International“ bieten wir unseren Studierenden internationale Studienprogramme an, vor allem in Kooperation mit britischen Universitäten im Master-Bereich. Der zweite Bereich ist die Zusammenarbeit mit chinesischen Hochschulen, das „German Chinese Business Studies“-Programm. Darauf baut der Master International Management und der Master of Business Administration (MBA) auf. In diesen Programmen kommen chinesische Studierende für den Master an die FHM nach Deutschland, aktuell nach Bielefeld und Schwerin.

Professor Merk: Der andere große internationale Zweig ist das staatlich anerkannte Studienkolleg, das wir im Jahr 2014 in Schwerin ins Leben gerufen haben. Das FHM-Studienkolleg richtet sich an internationale Studienbewerber, die ein Studium an einer Hochschule in Deutschland aufnehmen wollen und noch nicht über eine entsprechende Hochschulzugangsberechtigung verfügen. Um diese zu erwerben, bietet das FHM-Studienkolleg den Studienbewerbern ein Jahr lang studienvorbereitende Ausbildungsprogramme zum Erwerb der Hochschulreife an, das Pre-Studies-Program (PSP). Mittlerweile haben wir das Studienkolleg von Schwerin aus nach Bielefeld, Hannover, und Pulheim ausgeweitet

Wie viele PSP-Teilnehmer gibt es in Deutschland am FHM Studienkolleg?

Professor Dreier: Wir sind zurzeit mit über 500 Kollegiaten deutschlandweit eines der größten Studienkollegs mit sehr guten Bestehensquoten. Die Teilnehmer kommen aus insgesamt 13 Ländern: China, Indien, Taiwan, Russland, Iran, Indonesien, Dubai, Hongkong, Albanien, Syrien, Malaysia, Vietnam und Korea.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die FHM insgesamt?

Professor Merk: Wir gehen im Jahr 2017 in die institutionelle Akkreditierung der Hochschule beim deutschen Wissenschaftsrat. Auf die anstehende Akkreditierung haben wir uns sehr intensiv vorbereitet und haben die Entwicklungsziele der Hochschule für Studium & Lehre, Forschung & Entwicklung, Internationales, für jeden Fachbereich und auch für jeden einzelnen Standort formuliert. Dabei wollen wir insbesondere die Qualität in allen Bereichen noch weiter optimieren, die Wirtschaftlichkeit sichern und unserer Gemeinnützigkeit nachkommen.

Was bedeutet das konkret?

Professor Merk: Die FHM ist zwar eine staatlich anerkannte, private Hochschule, aber wir sind gemeinnützig. Das bedeutet: Natürlich müssen wir Erträge erwirtschaften, um die FHM zu finanzieren, aber die Erträge werden wieder in die Hochschule investiert und bleiben somit auf Dauer erhalten. Die weitere positive Entwicklung der FHM ist damit gewährleistet.

Zu guter Letzt: Was möchten Sie den FHM-Studierenden mit auf den Weg geben?

Professor Dreier: Die FHM ist eine lebendige Hochschule, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Ich rate jedem Studierenden bei uns, seine persönlichen Interessen in seinen jeweiligen Studiengang einzubringen und sich damit sowohl fachlich als auch persönlich weiter zu entwickeln. Alle Studierenden sollten die Chancen nutzen, welche die FHM Ihnen bietet: kleine Studiengruppen, eine gute Ausstattung und vor allem den persönlichen Kontakt zu Professoren, Lehrbeauftragten und Unternehmen. Außerdem bieten wir viele Zusatzangebote, die über die reine Lehre hinaus auf zukünftige Fach- und Führungspositionen vorbereiten. Ich bin sicher, dass unsere Studierenden hiervon nachhaltig profitieren. Außerdem ist und bleibt unsere Hochschule so lebendig und greift gemeinsam die Zukunftsthemen auf, die uns alle in den nächsten Jahren beschäftigen werden!