„Wir sind der technische Arm der Fußball-Bundesliga“

Alexander Günther ist 41 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinen Söhnen im bergischen Land in der Nähe von Köln. Nach seiner Ausbildung zum Medienkaufmann in Hamburg studierte er an der FHM in Bielefeld Medienwirtschaft. Heute ist er einer von zwei Geschäftsführern bei der Sportcast GmbH, der Produktionsfirma der deutschen Fußball-Bundesliga (DFL).

Alexander Günther: Geschäftsführer, Sportcast GmbH

Alexander Günther ist 41 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinen Söhnen im bergischen Land in der Nähe von Köln. Nach seiner Ausbildung zum Medienkaufmann in Hamburg studierte er an der FHM in Bielefeld Medienwirtschaft. Heute ist er einer von zwei Geschäftsführern bei der Sportcast GmbH, der Produktionsfirma der deutschen Fußball-Bundesliga (DFL).

Was macht Sportcast genau und was sind deine Aufgaben?

Sportcast ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der deutschen Fußballiga (DFL) und verantwortet die Produktion der Fußball-Bundesliga und der zweiten Bundesliga. Produktion heißt: Wir sind verantwortlich für die Erstellung der Video- und Fernsehsignale des sogenannten World-Feeds, für die weltweite Distribution der Bundesliga in über 200 Länder, wir koordinieren Akkreditierungen und Zugänge in die Stadien und steuern die infrastrukturellen Voraussetzungen im Zusammenspiel mit der deutschen Fußballiga. Neben der Tätigkeit als Medienproduzent sind wir stark im Bereich Innovationen aufgestellt. Darüber hinaus verantworten wir den Betrieb des deutschen Fußballarchivs, das ist das größte Fußballarchiv der Welt. Zusammengefasst produzieren, distribuieren und speichern wir Live-Fußball. Das ist ein ständiger Spagat zwischen Tradition, Emotion und Innovation. Gemeinsam mit Jupp Nehl ist es meine Aufgabe als Geschäftsführer, die organisatorische und strategische Entwicklung des Unternehmens, den Betrieb des deutschen Fußballarchivs, die internationale Produktion und natürlich auch Innovationen zu verantworten.

Was fasziniert dich an deinem Job?

Wenn wir über die gesamte Faszination sprechen würden, dann würde das, glaube ich, den Rahmen des Interviews sprengen (lacht.) Die Faszination meines Jobs liegt für mich darin, jeden Tag etwas Neues zu erleben und sich mit Neuem beschäftigen zu dürfen. Neue

Produkte oder Services zu entwickeln. Wir produzieren live, und live ist für uns Medienschaffende das größte Gut. Hierbei dann Qualität und Nachhaltigkeit sicherzustellen, das ist wirklich faszinierend. So schaffen wir auf der einen Seite das digitale Neue, auf der Basis von Geschaffenem, von historischen Werten. Das gelingt nur, indem wir alle Möglichkeiten der digitalen Transformation mitnehmen. Digitale Transformation erfolgt aber nur durch den Menschen. Ich kann noch so viel Technologie entwickeln, am Ende ist es der Mensch, der diese Veränderungen miterleben und gestalten muss. Sich darauf einzulassen, das ist die Faszination meines Jobs.

Die Digitalisierung der Medien bringt viele neue Herausforderungen. Was für Herausforderungen siehst du in den nächsten Jahren auf dich zukommen?

Im Zuge der ständigen Veränderungen ist meine größte Herausforderung, in allen Bereichen Up-to-Date zu bleiben. Das kann ich auf der einen Seite durch ständige Weiter- und Fortbildungen, auf der anderen Seite vor allem auch durch ein professionelles Netzwerk gewährleisten. Durch dieses Netzwerk erfährt man das Neue, das Inspirierende und das, was mich persönlich und das Unternehmen weiterbringt.

Welche Herausforderungen siehst du für den Markt in den kommenden Jahren? 

Für uns sind die großen Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung und der Globalisierung die Überprüfung der Veränderung unserer bestehenden Geschäftsmodelle. Wir müssen überprüfen, ob die gelernten Wertschöpfungsstrukturen gleich bleiben, wir müssen an den richtigen Stellen Maßnahmen ergreifen, um sowohl Technik als auch Kollegen/innen so weit zu verändern oder zu fördern, dass wir allen Anforderungen gerecht werden. Beim weiteren Aufbau der globalen Marke Bundesliga müssen wir individuell auf unsere Zielmärkte eingehen. In welchen Territorien der Welt wird in welcher Form der Medienkonsum erfolgen? Denn am Ende produzieren wir Content, also die Inhalte für die Marke Bundesliga, und wir müssen schauen, wie wir die Marke Bundesliga aus Deutschland in die Welt transportieren können.

Wo siehst du Chancen für den Nachwuchs in der Medienwirtschaft?

Die Chancen für den Nachwuchs in der Medienwirtschaft sind so vielfältig wie noch nie in den letzten 50 Jahren. Die Veränderung der Technik erfordert Veränderungen in der Ausbildung, in der Qualifizierung, und dass verändert die Denkweisen. Ich muss mich als Medienschaffender heute viel mehr auf den Endkonsumenten im globalen Kontext einstellen als noch vor ein paar Jahren. Da werden sich also ganz viele neue Jobs ergeben. Es herrscht so eine Dynamik und so ein Veränderungsprozess, den hat es in der medialen Entwicklung bislang noch nicht gegeben. Insofern kann ich nur sagen, wer Leidenschaft für Medien empfindet und wer sich als Nachwuchskraft sieht, der sollte dranbleiben. Es wird unfassbar spannend, was in den nächsten zehn, zwanzig Jahren auf uns zukommt.