Wenn ich weg bin, bin ich weg: Heike Grebe – Filmautorin

Kreative Persönlichkeit kombiniert mit einem fundierten Studium: Heike Grebe schrieb bereits in der Schule ideenreiche Aufsätze und setzte ihre Leidenschaft nach dem Abitur im Studiengang Medienkommunikation & Journalismus an der FHM um. Ihre SiP-Phase verbrachte Sie bei CNN und RTL. Nach ihrem Studium ging Heike Grebe 2009 für ein halbes Jahr nach Tansania, um für ein SOS Kinderdorf zu arbeiten. Anschließend lernte sie bei münchen.tv den Umgang mit Kamera und Schnitt. Im Jahr 2011 nahm die Hamburger Produktionsfirma Blue Planet Film die Jung-Journalistin unter Vertrag. Ihr erstes Projekt: Ein Natur- und Tierfilm über den Kongo-Fluss für den NDR und National Geographic.

Nach Ihrem Studium und ersten Erfahrungen im Berufsleben sind Sie jetzt Filmautorin für Tier- und Naturproduktionen. Ihr erstes Projekt führte Sie nach Afrika – sicherlich gab es auch kritische Stimmen, die Arbeit dort kann ja gefährlich sein.

Heike Grebe: Ich muss zugeben, dass der Film über den Kongo in meinem Umfeld zunächst auf keine große Begeisterung stieß. Aber meine Mutter hatte sich vor meiner ersten Arbeitsphase in Tansania noch viel mehr Sorgen gemacht. Denn im Kongo hatte ich ein ganzes Team um mich herum. Heute kann ich zugeben, dass ich Informationsveranstaltungen verschwiegen habe, wie man im Falle einer Entführung im Kongo reagieren muss.

Trotz der Entbehrungen und Gefahren während der Produktion – arbeiten Sie in Ihrem Traumjob?
Grebe: Ja, zu 100 Prozent! Ich finde Autofahren in Afrika viel gefährlicher als mit wilden Tieren oder Giftschlangen zu arbeiten. Für mich ist es unbeschreiblich schön, in den unberührten Ecken der Welt zu sein. Das ist die pure Natur und dort bin ich am liebsten. Es gibt nichts Größeres, als allein im Dschungel mit den Tieren zu sein. Ich habe nicht nachgezählt, gegen welche Krankheiten ich im Laufe der Jahre geimpft wurde. Ich trage selbst eine hohe Verantwortung und musste mich um alles selbst kümmern: Recherche, Organisation, welche Einreisebestimmungen relevant sind, welche Tiere wann aktiv sind. Vor Ort war ich die Kameraassistenz – der Vorlauf für so ein Projekt braucht Monate. Aber es lohnt sich.

Die Produktionszeit für die Dokumentation „Mythos Kongo“ und Ihr Making-of „Abenteuer Kongo“ lag bei zweieinhalb Jahren. Haben Sie die gesamte Zeit in Afrika gelebt und gearbeitet?
Grebe: Nein, das war gar nicht möglich. Wir waren insgesamt achtmal für viele Wochen entlang des Kongos unterwegs. Für den Körper ist das eine enorme Belastung. Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit – es ist äußerst herausfordernd, bei diesen Bedingungen zu arbeiten. Auf der anderen Seite aber auch wunderschön: Wir haben mitten auf Dorfplätzen zwischen Ziegen und Hühnern gezeltet. Und viele Menschen waren unglaublich nett. Während meiner letzten Produktion in Südafrika haben wir dann allerdings vermehrt in Hotels übernachtet, um den Körper nicht zu überbeanspruchen. Dort habe ich insgesamt ein halbes Jahr gelebt.

Durch die Reisen und Film-Projekte ist Ihr Lebensmittelpunkt nicht mehr in Deutschland. Vermissen Sie den Kontakt zu Familie und Freunden nicht?
Grebe: Es ist so: Wenn ich weg bin, bin ich weg. Das wissen die Menschen um mich herum auch, meine Kontakte liegen dann auf Eis. Aber für mich ist es immer wieder wunderbar, nach Hause zu kommen. Im Moment arbeite ich für den WDR an einer Tierdokumentation im Sauerland, in meiner Heimat. Ich bin in Winterberg geboren. Aber mein nächstes Projekt ist vielleicht schon wieder in einem ganz anderen Teil der Welt.

Sie haben sicherlich unzählige Erfahrungen im Rahmen dieser Filmproduktion gemacht. Was war das schönste Erlebnis während Ihrer Zeit in Afrika?

Grebe: Meine schönste Erfahrung habe ich im Quellgebiet des Kongos in Uganda gemacht. Dort haben uns Schimpansen, für die der Umgang mit Menschen gänzlich fremd ist, sehr nah an sich herangelassen. Eine Affenmutter hat nur wenige Meter entfernt ihr Baby gesäugt. Unglaublich: Die Schimpansen besitzen eine so hohe Ähnlichkeit mit uns Menschen! Diese Erlebnisse sind prägend und ich werde sie im Leben nie vergessen.