Verrückte Zeiten – Studierende besuchen Psychiatriemuseum in Bonn

Studierende des Bachelor-Studiengangs „Soziale Arbeit und Management“ der FHM Köln besuchten Anfang April das Psychiatriemuseum „Verrückte Zeiten“ des LVR Klinikums in Bonn und erhielten einen spannenden und zugleich gruseligen Einblick in die Geschichte der Psychiatrie. Museumsleiterin Linda Orth, Autorin diverser Werke zur Psychiatriegeschichte, brachte den Studierenden insbesondere die dunklen Kapitel der Psychiatrie näher.

Im Mittelalter galten psychisch erkrankte Menschen als „arme Irre“, die häufig auf Märkten zur Schau gestellt wurden und ansonsten ihr Leben angekettet in Verliesen an den Stadtmauern fristeten. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden mittelalterliche Behandlungsmethoden für psychisch Erkrankte verwendet, wie z.B. das Zwangsstehen, Eisbäder, Drehstuhlbehandlung, Elektroschocks und Fixierungen. Die Methode des Exorzismus (Teufelsaustreibung) wurde erst 1976 verboten.

Während des 1. Weltkrieges wurde die Psychiatrie mit einem neuen Krankheitsbild konfrontiert, dem sog. „Kriegszittern“, welches von der Front heimgekehrte Soldaten zeigten. Dieses Störungsbild würde in der modernen Psychiatrie als „Posttraumatische Belastungsstörung“ bezeichnet und könnte heute gut durch Medikamente und eine gezielte Traumatherapie behandelt werden. Doch die Ärzte des Kaiserreiches hatten lediglich das Ziel die Soldaten wieder fit zu machen für den Kriegsdienst und glaubten das Zittern durch starke Elektroschocks beheben zu können. Diese Elektroschocks waren für die meisten Soldaten so schmerzhaft, dass viele trotz der Traumatisierungen lieber wieder zurück an die Front gingen, statt die Praktiken der Psychiatrie über sich ergehen zu lassen.

Das dunkelste Kapitel der Psychiatrie fand im Nationalsozialismus statt und reichte von Zwangsterilisation bis hin zur Euthanasie. In der Psychiatrie von heute dagegen gehen Ärzte und Patienten fast freundschaftlich miteinander um. Längst haben humane Methoden wie Gesprächstherapie in die Psychiatrie Einzug erhalten.

Linda Orth, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, durch Aufklärung und Dokumentation menschenverachtende Praktiken in der Psychiatrie für die Zukunft zu verhindern, mahnt nicht zu Unrecht: „Die Praktiken der Psychiatrie sind heute sehr menschlich, an der Zielsetzung der Psychiatrie, nämlich den Menschen wieder funktionsfähig zu machen, hat sich jedoch vom Mittelalter über das 3. Reich bis heute nichts geändert.“

Der Mensch an sich stehe noch lange nicht im Mittelpunkt, daher gäbe es noch viel zu tun.

Besonderer Dank gilt der Expertin für Ihr Angebot, Studierende der FHM bei Bachelorarbeiten zur Psychiatriegeschichte zu unterstützen und ggf. bei der Publikation behilflich zu sein.

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