Vegan, aber richtig: Mit Dr. Markus Keller am Kölner Campus

Müssen Veganer supplementieren, um einen Nährstoffmangel zu vermeiden? Welche Risikofaktoren gilt es in einer veganen Ernährungsweise zu beachten und was sagen aktuelle, wissenschaftliche Studien über den Nährstoffhaushalt von Veganern? Diese Fragen wurden am vergangenen Montag von Dr. Markus Keller, Ernährungswissenschaftler und wissenschaftlicher Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Vegan Food Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln beleuchtet und diskutiert.

Im Rahmen des zweistündigen Fachvortrags „Vegan, aber richtig – vollwertige Lebensmittel oder Nähstoffpräparate?“ thematisierte Keller Ergebnisse aktueller Studien und zeigte kleinteilig auf, was diese zu dem Nähstoffhaushalt von „Mischköstlern“ und Veganern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aussagen. Denn das Vorurteil, Veganer würden grundsätzlich an Mangelerscheinungen aufgrund des fehlenden Verzehrs tierischer Produkte leiden, hält sich in Medien und Öffentlichkeit hartnäckig. Keller sensibilisierte die knapp 25 Besucher für eine differenzierte Sichtweise und insbesondere für die bewusste vegane Ernährung, die vollwertig und abwechslungsreich gestaltet sein müsse.

Hilfestellung und Orientierung könne dabei die von Dr. Keller und weiteren Wissenschaftlern entwickelte vegane Lebensmittelpyramide bieten, welche eine vollwertige vegane Lebensmittelauswahl aufzeigt und auf die Notwendigkeit einer gezielten Supplementierung hinweist.

Denn die vollwertige vegane Ernährung könne alle kritischen Nährstoffe liefern, nicht jedoch Vitamin B12. Da dieses Vitamin nach aktuellem Wissensstand in pflanzlichen Lebensmitteln praktisch nicht vorkommt, müsse eine ausreichende Versorgung über Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel sichergestellt werden. Das gelte insbesondere für Risikogruppen wie Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kinder, erläutert Keller.

Im Anschluss an den informativen Vortrag hatten die Gäste Gelegenheit, Fragen zu stellen und ließen den Abend in einer lebhaften Diskussion ausklingen. Details des Vortrags können Sie untenstehend nachlesen.

 

Detailinformationen aus dem Vortrag „Vegan, aber richtig – vollwertige Lebensmittel oder Nähstoffpräparate?“:

Im Zuge des Vortrags gab Dr. Keller viele Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften wieder und erläuterte, dass diese von Veganern meist besser umgesetzt werden als von der Allgemeinbevölkerung. Das gelte insbesondere für den Verzehr von Gemüse, Obst und (Vollkorn-) Getreide. Ebenso lägen Veganer im Durchschnitt am nächsten an den D-A-CH-Empfehlungen für die Zufuhr der energieliefernden Nährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate, sowohl absolut als auch in Energie%. Die Zufuhr von Beta-Carotin, Vitamin C und E, Thiamin, Folat, Biotin, Pantothensäure, Kalium, Magnesium sowie von Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen sei meist besser oder genau so gut wie bei den Mischköstlern der Vergleichsgruppen. Als kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung seien Vitamin B12, Kalzium, Eisen, Zink, Riboflavin, die langkettigen n-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sowie die allgemein kritischen Nährstoffe Jod und Vitamin D (in den sonnenarmen Monaten) zu nennen. In einzelnen Studien läge auch die Proteinzufuhr bei einem Teil der Veganer niedriger als die Empfehlung es vorgibt.

Dr. Markus Keller ist Ernährungswissenschaftler und Leiter des Bachelor-Studiengangs Vegan Food Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die Themen Vegetarismus/Veganismus, alternative Ernährungsformen sowie nachhaltige Ernährung. Dazu gehören zahlreiche Veröffentlichungen als Autor, u. a. der Standardwerke „Vegetarische Ernährung“ (3. Aufl. 2013) und „Vegan Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit, Beikost“ (2017). Zudem agiert er als Experte in vielen TV-, Radio- und Presseinterviews.