Studie der FHM im Auftrag der Commerzbank: Deutsche Unternehmen horten Liquidität

Frankfurt a. M./Bielefeld. Im Zuge des sich fortsetzenden wirtschaftlichen Aufschwungs hat sich der Finanzanlagebedarf mittelständischer Unternehmen deutlich erhöht. Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen haben 2013 einen erhöhten Bedarf an Finanzanlagen. Im Durchschnitt wollen die Unternehmen rund 3,1 Mio. Euro anlegen. Damit hat sich das durchschnittliche Anlagevolumen binnen anderthalb Jahren nahezu verdreifacht. Aufgrund einer unverändert empfundenen Unsicherheit in der wirtschaftlichen Entwicklung „horten“ mittelständische Unternehmen lieber Geld in Form von Sicht- und Termingeldern – statt Realinvestitionen vorzunehmen. Dies sind zentrale Ergebnisse der vierten Studie, die die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Auftrag der Commerzbank erstellt hat. Die Studie mit dem Titel „Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen“ legt offen, dass der Anlagebedarf der Unternehmen maßgeblich von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Im Fokus der Unternehmen stehen nicht nur kurzfristige Anlagen, vielmehr nennen 15 Prozent der mittelständischen Unternehmen einen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr, 8 Prozent sogar von mehr als fünf Jahren.

Auf einer Rangskala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) steht die Sicherheit der Anlageform für die Unternehmen eindeutig an erster Stelle. Das gilt sowohl für die Sicherheit durch den Emittenten mit der Note 1,34 als auch durch den Staat mit der Note 1,50. Darauf folgt mit einer Note von 1,59 – und das ist neu – noch vor der Verzinsung der Anlage der Wunsch nach geringen Kosten. Hier scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass bei dem derzeitigen Zinsniveau für eine auskömmliche Rendite auch die Kosten zu berücksichtigen sind. Wie in den Studien zuvor sind für die befragten Unternehmen die Kriterien Sicherheit, Höhe der Kosten und Zinserträge sowie die leichte Verständlichkeit weiterhin ausschlaggebende Aspekte. Für ihr angelegtes Geld erwarten die Unternehmen im Durchschnitt eine Mindestverzinsung von 1,8 Prozent. Im Vergleich zu den Studien zuvor ist die Renditeerwartung damit deutlich gesunken. Der Mittelstand reagiert damit auf das im Laufe der Zeit gesunkene Zinsniveau – allerdings mit deutlicher Verzögerung. Im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau zeigt sich jedoch, dass die Zinserwartungen höher sind als die erzielbaren Zinsen, die herkömmlicherweise mit den zum Einsatz kommenden geldmarktnahen Anlageformen erzielt werden können. So sind die am häufigsten genannten Anlageinstrumente mit 97 Prozent Sichteinlagen beziehungsweise laufende Konten, mit 87 Prozent Festgelder und mit 15 Prozent Geldmarktfonds.

Zwei Drittel der Befragten glauben, dass der Euro als Zahlungsmittel auf unbestimmte Zeit Bestand haben wird. Der für die Studie verantwortliche Leiter der FHM, Volker Wittberg, zeigt sich positiv überrascht von diesen Ergebnissen: „Dass der Großteil der Unternehmen den Euro als stabil einschätzt, war in dieser Form nicht abzusehen. Jedoch ist das Thema ‚Eurorettung‘ in den vergangenen Monaten auch nicht mehr so präsent in den Medien; hinzu kommt, dass es für einige Unternehmen schlicht nicht mehr vorstellbar ist, ohne eine einheitliche Währung in Europa arbeiten zu können.“ Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter für Anlage- Zins- und Währungsmanagement bei der Commerzbank, sieht sich in der Studie bestätigt: “Sicherheit und die kurzfristige Verfügbarkeit sind für Unternehmen die wesentlichen Aspekte für die Geldanlage. Die erwartete Verzinsung von 1,8 Prozent läßt sich damit aber nur schwer erreichen. In Erwartung nur moderat steigender Zinsen ist es daher sinnvoll, überschüssige Liquidität nicht nur in kurzfristige Zinstitel zu investieren“.

Die Studie der FHM finden Sie hier zum Download.