"Stoppschilder werden überfahren" - EXPERT.CIRCLE mit Ansgar Brinkmann

Am gestrigen Abend, 27. Oktober 2017 fand im Forum der Bielefelder FHM der erste EXPERT.CIRCLE des neuen Studienjahres statt. Das Thema: "Kommerzialisierung im Profifußball - ab wann schadet sich der Sport selbst?". Mit auf dem Podium waren neben Ex-Profifußballer Ansgar Brinkmann (auch bekannt als "Der weiße Brasilianer") Dr. Michael Negri, FHM-Hochschullehrer für Sportökonomie und ehemaliger Schiedsrichter der Oberliga, Sebastian Bauer (Sportredakteur beim Westfalen-Blatt), Kevin Pamann (Marketing-Beauftragter bei DSC Arminia Bielefeld) sowie Thomas Brinkmeier (Fan-Beauftragter bei DSC Arminia Bielefeld). Moderiert wurde die Veranstaltung von FHM-Alumnus Jannis Johannmeier.

Ist es fair und gerecht, wenn Fußballspieler ein Jahresgehalt von 50 Mio. Euro bekommen und sich mehrere Sportwagen leisten können, Eintrittskarten oder auch Essen und Trinken im Stadion hingegen aber für den Ottonormalverbraucher verhältnismäßig teuer sind?

In der bunten Podiumsrunde war an diesem Abend, zu der rund 35 Teilnehmer gekommen waren, schnell klar, dass es hier und heute keine richtige Antwort und damit auch eine Lösung für das große Problem der Kommerzialisierung geben werden wird. Dennoch waren sich alle Teilnehmer trotz unterschiedlicher Ansichten einig, dass die derzeitige Situation im Profifußball auf allen Ebenen ein Problem darstellt. „Der Markt ist außer Kontrolle“, wiederholte Ansgar Brinkmann immer wieder. Da musste ihm auch Sport-Ökonom und FHM-Dozent Dr. Michael Negri Recht geben: „Die Entwicklung ist schon dramatisch. Aber es gibt nicht die eine Lösung. Wir könnten vielleicht anfangen, indem wir unseren Konsum einschränken, mal kein Sky gucken oder die Trikots nicht mehr kaufen.“ Das war natürlich aber für beide Vertreter des Fußball-Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld keine Option: „Wir stellen uns immer der Herausforderung, dass die Leute gerne ins Stadion zu uns kommen sollen. Fußball ist ein Kulturgut, aber leider behandeln die großen Vereine wie Paris, Barcelona und Co. dies nicht mehr so“, sagt Thomas Brinkmeier als Fanbeauftragter der Arminia.

Große Vereine seien heute vor allem Wirtschaftsunternehmen, die die Haftung zum Boden verloren hätten und denen die Fans nicht mehr so wichtig seien. Dabei werde oft vergessen, dass Fußball ohne Fans nicht mehr das wäre, was es ist: „Wenn man die Fankurven in den Stadien mal leerräumen würde, ja was wäre denn da los – nichts mehr, ohne die Fans“, betone Ansgar Brinkmann. Für ihn liege das Problem aber nicht nur bei den großen Vereinen, denen es fast egal sei, ob das Stadion voll ist, wenn ein großer Investor dahinterstehe. Er sieht in vielen Bereichen auch die großen Funktionäre und Instanzen wie den DFB, die DFL, FIFA und Co. in der Pflicht, Veränderungen voranzustreben: „Hier werden von allen so viele Stoppschilder überfahren!“

Auch aus journalistischer Sicht bringe das Thema Kommerzialisierung Probleme, die man so erst mal gar nicht sehe: „Wenn ich von Kollegen aus Dortmund von den örtlichen Lokalzeitungen höre, dass Sie keine Chance mehr haben, einen Spieler von Borussia Dortmund für einen Artikel zu bekommen. Die Vereine machen medial mittlerweile so viel selber, dass sie damit auch teilweise in echter Konkurrenz zu uns stehen“, erklärt Sebastian Bauer als Sport-Journalist beim Westfalen-Blatt.

Eine mögliche Lösung? „Vielleicht so ein Modell, wie die NFL es jetzt umgesetzt hat, in dem viel reguliert wurde, TV-Gelder anders verteilt werden und vieles mehr. Dann hätten die kleineren Vereine vielleicht auch mal wieder eine Chance, die finanziell nicht so stark aufgestellt sind.“ In Kombination mit der eigenen Regulierung des Konsums vielleicht ein Anfang, doch das all das nicht DIE Lösung sei, betonte Dr. Michael Negri zum Abschluss der Diskussion noch einmal deutlich.

v.l.n.r.: Sebastian Bauer (Westfalen-Blatt), Kevin Pamann (Marketing-Beauftragter DSC Arminia Bielefeld), Ansgar Brinkmann (ehemaliger Fußballprofi), Thomas Brinkmeier (Fan-Beauftragter DSC Arminia Bielefeld), Michael Negri (FHM-Hochschullehrer), Jannis Johannmeier (Moderation und FHM-Alumnus)