SiP auf einer Insel – Sudium in Praxis oder doch besser Leben in Praxis?

Ich studiere Medical Sports & Health Management und verbringe einen Teil meines SiPs in einem Hotel auf Madeira, der wunderschönen Blumeninsel Portugals. Wie das kommt und was ich dort so erlebe möchte ich gerne mit euch teilen.

Mit dem Wunsch im Bereich Gesundheitstourismus dazu beitragen zu können Menschen im Urlaub einen gesunden Lebensstil näher zu bringen, habe ich mich bereits Anfang des Jahres auf die Suche nach einem geeigneten Ort für einen Teil meiner SiP-Phase gemacht. Obwohl mir die Welt offen zu stehen scheint, war die Suche nicht einfach, da meine Ansprüche doch über eine Tätigkeit als Animateurin hinausgingen. Tagelange Recherchen im Internet, Besuche verschiedener Messen sowie zahlreiche Gespräche mit verschiedensten Leuten haben meine Suche bereits abwechslungsreich und jedenfalls interessant gestaltet. Als es dann im Juli schon fast zu spät zu sein schien hat sich ein Hinweis eines Kontaktes von einem Professor der FHM als passend ergeben.
Und da bin ich nun - bereits in den Entzügen meiner aktiven Praktikumsphase - im Ayurveda Kurzentrum eines Hotels in Caniço, einem kleinen süßen Ort im Südosten Madeiras.

Dreieinhalb Monate der insgesamt 6-monatigen Praktikumsphase habe ich die Chance gehabt Verschiedenstes rund um das Thema Wellness, Gesundheit, Ernährung, Therapien, Behandlungen, Massagen und natürlich Ayurveda zu lernen. Bei einem Studium, welches das Wort Management im Namen trägt, durfte natürlich auch der Bereich der Organisation, Administration, Buchführung, Abrechnung etc. nicht fehlen. Genau damit hat meine Praktikumszeit begonnen: Zu Beginn bekam ich einen Einblick in all die Prozesse, die sozusagen „hinter der Bühne“ ablaufen: von Anfrage des Kunden bis hin zur Buchung, Angebotsunterbreitung, Beratung, Abrechnung, interne Arbeitsplanung, Rechnungen schreiben und vieles mehr. Da all diese Prozesse im Spa des Hotels ablaufen, habe ich direkt noch die Abläufe eines Spas gelernt.

Vor lauter Tatendrang wollte ich bereits direkt ins Geschehen eintauchen doch ich war dann doch sehr dankbar und glücklich über die Reihenfolge meiner Lernbereiche. Bereits von Anfang an konnte ich an den morgendlichen Yoga bzw. Qi-Gong Einheiten und den abwechselnden Nachmittagseinheiten von Meditation über Kochkurse bis hin zu Yoga Praxis und Theorie teilnehmen. So fing mein Tag bereits um 6:30/7:00 Uhr an und endete mit Arbeitsschluss um 19 Uhr - natürlich muss ich die ausführliche Mittagspause von 2 Stunden erwähnen, die ich besonders während der ersten Wochen stets für einen Sprung ins Meer und etwas Sonnenbaden genutzt habe. Nach ca. 1 ½  Monaten - als ich dann schon über meine normale Praktikumstätigkeit hinaus im gesamten Hotel Kontakte geknüpft hatte und somit im hauseigenen Fitnessstudio mitmischen konnte und allgemein relativ viel von der für mich sehr interessanten Arbeit im Hotel erfahren durfte - wurde mein Aufgabenbereich ins Kurhotel verlegt. Dort kam ich nun in Kontakt mit den Gästen, denen wir zuvor noch Angebote unterbreitet hatten bzw. deren Ankunft wir geplant hatten, durfte sie willkommen heißen und ihre Kur mitverfolgen. Von CheckIn-Abwicklung über Anamnese-Gespräche beim Ayurveda Arzt, Planung der Behandlungen während der Kur - abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse-, Ernährungsberatung, Behandlungen in Form von Ayurveda-Massagen bzw. pflanzlichen Medikamenten, Kochworkshop und einiges mehr konnte ich mein in der Theorie erlerntes Wissen anwenden und ausführen.

Gleichzeitig ist es toll zu erfahren, tatsächlich dazuzulernen und Fortschritte zu machen. So durfte ich nach einer gewissen „Eingewöhnungszeit“ meinen ersten eigenen Workshop leiten, sodass es dann Sonntag abends um 20.00 Uhr hieß: „Welcome to the Workshop Sleep Well“. Während diesen ein, zwei oder manchmal auch drei Stunden setzten die (interessierten) Gäste und ich uns dann gemeinsam mit dem Thema Schlaf und allen möglichen Faktoren, die diesen beeinflussen, auseinander, lernten dazu und praktizierten eine Entspannungsmethode. Für mich war es sicherlich stets ein Highlight der Woche und das positive Feedback der Teilnehmer motivierte mich sehr.

Neben meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema „Gesundheit“ auf all ihren Ebenen, war es sehr beeindruckend für mich zu sehen wie einige der Gäste, die bei ihrer Ankunft noch völlig gestresst und gereizt auf Kleinigkeiten reagierten, nach einigen Tagen Ausgeglichenheit und Ruhe ausstrahlten. Sicherlich hat es mir einmal mehr gezeigt wie Gesundheit von Geist, Körper und Seele abhängt und ganz klar von Umgebung, Nahrung, Wetter etc. beeinflusst und vielleicht sogar gesteuert wird!

 

Abgesehen von der Arbeit bringt ein Praktikum in einem anderen Land, einer anderen Kultur mit einer anderen Sprache, anderem Klima und dann auch noch auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik natürlich noch weitaus mehr Abenteuer und Neues mit sich.

 

Madeira ist eine wunderschöne Insel mit einer prachtvollen Natur, beeindruckenden Flora, beflügelnden und geradezu dominierenden Winden und herzlichen Menschen. Dies hat mich natürlich dazu verleitet so viel Zeit wie möglich damit zu verbringen Land, Kultur, Natur und Leute zu erkunden. Dabei durfte ich allerdings auch direkt merken, dass bei einem 40-Stunden Job und dann auch noch im Hotelbetrieb, wo es weder Feiertage noch Wochenende gibt, gar nicht einmal so viel Freizeit bleibt. Doch die Zeit, die mir geblieben ist, habe ich eifrig damit verbracht spazieren zu gehen, Zeit mit Meer, Wind, Wald, Bergen, Blumen, all den exotischen Gewächsen und natürlich auch ganz besonders mit den super lieben Leuten, die ich hier kennenlernen durfte, zu verbringen. Die Tatsache, dass ich direkt von Anfang an versucht habe so viel wie möglich Portugiesisch zu sprechen und zu lernen, hat mir dabei sehr viele Türen geöffnet und Freundschaften bzw. Bekanntschaften ermöglicht.

 

Eine natürlich nicht immer nur blumige Zeit auf einer umso blumigeren Insel, die mir jedoch sicherlich sehr viel gelehrt hat. Über mich selbst, meine Interessen, Werte, Vorlieben und Abneigungen. Und vor allem übers Leben und seine unendliche Schönheit – eine sehr sehr wertvolle Erfahrung.

Eure Jenni

 

 

 

Wanderung an der Ostspitze

Der tägliche Ausblick aus dem Yogaraum

4 Tage Fitness-Camp auf der Karibikinsel Portugals - Porto Santo

Qi-Gong am Morgen

Die Ayurveda Küche