OWL ist bereit für die Transformation

Digitalisierung bedeutet Umbruch. Digitalisierung braucht Leadership. Digitalisierung setzt ein neues Mindset voraus. Die Wirtschaftsjunioren Ostwestfalen e.V. luden am 12.12.2017 ein zu einer Podiumsdiskussion und wollten wissen: „Ist OWL bereit für die digitale Transformation?“ Ja! Sind sich die Gesprächsteilnehmer einig. Trotzdem sei noch viel Arbeit nötig.

„Man kann die Bereitschaft, Dinge zu verändern hier mit Händen fassen“, sagt Politologe Elmar Niederhaus überzeugt von der Region. Hier wolle man die Digitalisierung wirklich angehen.

Eine zu Beginn des Abends vorgestellte Studie von Prof. Dr. Ellena Werning zeigt jedoch, dass die KMUs in Nordrhein-Westfalen noch einen recht niedrigen „Digitalisierungs-Index“ aufweisen. „Gerade der Bereich Wertschöpfung ist wenig ausgebaut. Industrie 4.0 spielt kaum eine Rolle“, erklärt die Expertin. Ihrer Meinung nach fehle es den Unternehmen vor allem an „digitalen Intrapreneuren“, den Personen, die die Digitalisierung intern vorantreiben.

Zwischen Chance und Bedrohung

Aber woran liegt das? Die Digitalisierung würde viel zu häufig noch als Bedrohung statt Chance aufgefasst werden, erklärt HDNET-Geschäftsführer Eike Diestelkamp. „Menschen lieben Veränderung, wenn sie nicht davon betroffen sind“, sagt er schmunzelnd. Zudem würden viele Unternehmen die Notwendigkeit für Veränderungen noch nicht sehen. Als Beispiel nennt er deutsche Maschinenbauer: „Denen geht es einfach zu gut!“ Pluspunkte der Digitalisierung wie effizientere Arbeitsweisen und Prozesse stünden dort eben noch nicht ganz oben auf der Agenda. „Es läuft ja.“

Natürlich spielen vor allem die Menschen selbst eine enorme Rolle bei dem Thema. Die Digitalisierung würde auch deshalb als Bedrohung aufgefasst werden, weil Arbeitsplätze wegfallen könnten. „Ich muss mich auch fragen, ob mein Job irgendwann zur Disposition steht“, sagt Professorin Werning selbstkritisch, ist aber gleichzeitig davon überzeugt, dass trotz Websessions, Online-Tutorials und Co., der Mensch und der persönliche Kontakt immer wichtig bleiben werden.

Dem stimmt Diestelkamp zu: „Manpower wird auch weiterhin gefragt sein, aber in anderen Bereichen“. Das Aufgabenbild von Menschen werde sich verändern. Wenig überraschend änderten sich dadurch auch die gefragten Kompetenzen von Mitarbeitern – und von Führungskräften. „Digitalisierung ist ein Veränderungsprozess“, sagt Politologe Niederhaus, „diesen Prozess bringen wir nicht mit gängigen Führungsmethoden voran.“

Wenngleich alle drei die Digitalisierung begrüßen, so wird auch deutlich, dass Mut zu diesem unaufhaltsamen Phänomen dazu gehört und die Abgrenzung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz nicht aus den Augen verloren werden darf. 

Offener Gedankenaustausch

Rund eine Stunde diskutierten die drei Experten in gewohnt lockerer Wirtschaftsjunioren-Manier mit Moderator Sebastian Ernst und dem Publikum in der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Viele Fragen und Anregungen wurden im Anschluss noch bei Sknacks und Kaltgetränken weiter besprochen.

Als erstes Fazit des Abends hielt Moderator Ernst aber vor allem eines fest: „Bei all der Diskussion um Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, sind wir heute doch häufig zurück auf den Faktor Mensch gekommen.“     

v.l.n.r.: Elmar Niederhaus, Sebastian Ernst, Ellena Werning, Eike-Jan Diestelkamp