Neues Lehrbuch gibt umfassenden Überblick rund um das Thema Sportjournalismus

Prof. Dr. Marcus Bölz, Leiter des Instituts für Sportkommunikation der Fachhochschule des Mittelstands und Wissenschaftlicher Studiengangsleiter des FHM-Studiengangs Sportjournalismus und Sportkommunikation hat beim Verlag Springer VS ein neues Lehrbuch veröffentlicht. Der Band bereitet die systematisch und empirisch fundierten Ergebnisse der Sportjournalistik didaktisch auf: Wie die Arbeit der Sportjournalisten konkret aussieht, welche Rahmenbedingungen diese Arbeit prägen und wie Akteure und Rezipienten sportjournalistische Medientexte herstellen, distribuieren und rezipieren. In dem Buch werden dazu die wichtigsten Modelle, Theorien und wissenschaftlichen Befunde dargelegt, anhand von Beispielen der Transfer der Inhalte vom Theoretischen zum Anschaulich-Praktischen vollzogen und die Inhalte und Positionen kritisch reflektiert. Flankiert werden die Ausführungen von Interviews mit aktuellen und ehemaligen Sportjournalisten. ​  ​

BERLIN - Sport und Wort – das ist nicht bloß eine Titelzeile, es ist eine Konstellation, die verstanden werden möchte. Tatsächlich komponieren Sportjournalisten die mediale Realität der hochemotionalen Traumwelt Sport. Sie konsultieren und inszenieren die Protagonisten dieser Traumwelt, die Athleten, Offiziellen und sonstigen Agenten des Sports und stellen ihnen im besten Falle relevante Fragen. Sie konstruieren die Erzählungen der modernen Reiz-Wirtschaft Profisport – und sollen dennoch unabhängig über die Geschehnisse in den Stadien und auf den Sportplätzen berichten.

Journalismusforscher weisen darauf hin, dass sportliche Ereignisse, Akteure und Handlungen von Sportjournalisten mehr und mehr im Modus der Unterhaltung dargestellt werden – umso schwieriger und komplexer ist es, bei den vielfältigen Formen der öffentlichen Sportkommunikation die Grenzen des Sportjournalismus hin zum mediatisierten Entertainment zu definieren. Der digitale Medienwandel, der die Arbeitsweisen von Sportjournalisten genauso verändert wie von Publizisten anderer Ressorts, sorgt für weitere Diskussionen. Ein derart entgrenztes Berufsfeld wie der Sportjournalismus führt in der wissenschaftlichen Debatte der Sportjournalistik oder Sportpublizistik zwangsläufig zu lebhaften Auseinandersetzungen. Für junge Studierende ist es nicht einfach, einen umfassenden und systematischen Überblick zu gewinnen, der die unterschiedlichen Facetten des Forschungsgegenstandes Sportjournalismus zusammenfasst. Das soll mit Hilfe dieses Buches geschehen. Es beschreibt kompakt die Forschungsfelder und Wissensgebiete der Disziplin und diskutiert die Zusammenhänge aus einer anwendungsorientierten Perspektive der Journalismus- und Kommunikationsforschung. Zudem soll das Buch eine sinnvolle Hilfe für die Klausurvorbereitung für Studierende sein. Deshalb werden an zahlreichen Stellen Leitfragen im Stil von Klausurfragen gestellt. Diese Fragen werden am Ende jedes Kapitels als Kontrollfragen wieder aufgegriffen und sollten nach der Lektüre des jeweiligen Kapitels beantwortet werden können. Die Inhalte werden an vielen Stellen von kurzen Experteninterviews mit aktuellen und ehemaligen Sportkommunikatoren wie Anne Will, Carmen Thomas oder Heiko Rehberg flankiert. Dies soll den Leser helfen, die Wechselwirkung von Theorie und Praxis im Sportjournalismus zu erkennen.

Das Buch richtet sich aber auch ganz gezielt an Praktiker in der Sportkommunikation, die auf der Suche nach neuen Anregungen oder einem Nachschlagewerk zum Thema sind. Gerade in der journalistischen Aus- und Weiterbildung, beispielsweise in Volontariatskursen, suchen junge Sportjournalisten nicht nur einen kompakten Überblick aus den inzwischen in breiter Fülle vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema, sondern auch den kollegialen Austausch. Diesen Überblick soll das Buch geben. Die Sportjournalistik oder Sportpublizistik wird dabei als eine Teildisziplin der Journalistik- und Kommunikationswissenschaft angesehen. Sie fokussiert und analysiert die Entwicklung und alle Aspekte der Produktion, Interpretation und Rezeption der Sportmedien der jeweiligen Epoche. Primär analysiert sie die Prozesse sozialwissenschaftlich, seit jüngster Zeit spielt aber auch eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise eine wichtige Rolle bei der Analyse journalistischen Wirkens. Die Sportjournalistik entwickelt sich in ihrer jüngsten Vergangenheit mehr und mehr zu einer transdisziplinären Integrationswissenschaft, die eng beispielsweise mit der Medienwissenschaft oder der Sportwissenschaft interagiert. Sie unterscheidet sich von  der Kommunikationswissenschaft durch die sehr ausgeprägte Berufsorientierung und den stark fokussierten Praxisbezug.

Die Sportjournalistik untersucht die Regeln, Normen und Arbeitsweisen des Sportjournalismus. Zudem diskutiert sie, was der Sportjournalismus für die Gesellschaft leistet und welche Folgen, Effekte und Wirkungen die Rezeption von Sportmedien bei den Menschen und in der Gesellschaft auslöst. Dabei geht sie kritisch und unabhängig zu Werke, benennt Defizite und Probleme der Sportkommunikation und macht sich mit den Sportjournalisten nicht gemein. Sie formuliert Kritikpunkte an der redaktionellen Praxis und erforscht neue Wege, redaktionelle Arbeitsweisen, Innovationen und Qualitätsmaßstäbe für eine zukünftige Sportöffentlichkeit. All diese Aspekte werden in dem Buch in Breite vorgestellt. Es ist im Verlag Springer VS veröffentlicht und ist für 19.99 als Softcover im Buchhandel erhältlich. 

Sportjournalistik; Prof. Dr. Marcus Bölz; Leiter Institut für Sportkommunikation (IfS); Kontakt: boelz@fh-mittelstand.de