Mit dem Bananendampfer nach Amerika

„Es war unglaublich angenehm, Ihnen heute Abend zuzuhören und ich bin sehr beeindruckt von Ihnen und dem, was Sie erzählt haben“, sagte eine Besucherin des gestrigen EXPERT.CIRCLE mit Gabriela Jaskulla an der FHM Bielefeld. Wie ihr ging es auch den knapp 15 weiteren Gästen. Ein kleiner Frauenüberschuss war es an diesem Abend im Forum der FHM schon, auch wenn das Schreiben eines Buches keineswegs nur durch Frauen umgesetzt wird. Im Gegenteil.

Gabriela Jaskulla, die als Hochschullehrerin an der FHM arbeitet und darüber hinaus erfolgreiche Schriftstellerin und Journalistin ist, gab ehrliche Einblicke in ihre ganz persönliche Schreibwerkstatt. So erzählte sie, warum sie heute noch manchmal schlecht schlafe, weil sie es sich irgendwann einmal neben ihrer Arbeit als Redakteurin angewöhnt habe, morgens um 5 Uhr an ihren Büchern zu schreiben. Aber auch, was sie als Kind bewegt hat und wie sie schon früh den Traum hatte, Schreiben zu wollen.

Ihr Tagebuch, dass sie mitgebracht hatte, war Zeugnis dieses frühen Wunsches. Ein kleines, ledernes Buch mit Schloss, das jedoch aufgebrochen war: „Meine Mutter hat sich damals Sorgen gemacht. Ich war ein sehr verträumtes Kind und dann hat sie es aufgebrochen und nachgelesen. Ab da habe ich dann zwei Tagebücher geführt. Eines, in dem ich brav das Erlebte des Tages aufgeschrieben habe und das andere, in dem ich meine rebellischen Geschichten aufgeschrieben habe.“ Eine dieser Geschichten war ihre erträumte Flucht von zu Hause, sodass sie niemand mehr wiederfinden würde, mit einem Bananendampfer nach Amerika. In dieser und vielen anderen Anekdoten konnte man ihr an diesem Abend stundenlang zuhören.

Gabriela Jaskulla sprach natürlich auch über das Schreiben eines Buches und warum es keine Idee braucht und man Erlebtes nicht noch aufschreiben muss, wenn man es ja schon erlebt hat. Es brauche eine Geschichte, die man neu denkt. „Weil es etwas noch nicht gegeben hat oder weil man etwas nicht versteht“, so erklärt sie. Das Tolle am Schreiben eines Buches sei auch, dass Figuren in Büchern alles dürfen und man so bei seiner Recherche auch alles darf. Die Leute seien offen gegenüber ihrer Person als Autorin und so bekomme sie immer wieder tolle Möglichkeiten, zu recherchieren und dürfe einen Haufen dummer Fragen stellen.

Den Gästen gab sie mehrere Tipps mit auf den Weg: „Man muss sich immer fragen, vor wem man damit bestehen möchte.“ Es sei wie eine Zwiebel, denn je weiter man nach Innen komme, desto schmerzlicher sei es; aber auch umso wahrhaftiger. Außerdem helfe einem das Schreiben eines Buches auf der einen Seite ein bisschen, weniger einsam zu sein, weil man schnell mit einer Geschichte verschmelzen könne. Auf der anderen Seite, gerade in Zeiten, in denen ein Buch fertig werden muss und Verlage danach fragen, bleibe kaum Zeit für Familie und Freunde.

Und wenn es dann vorbei ist, das Buch fertig geschrieben ist? „Das ist erstmal ein schreckliches Gefühl, weil die Personen in Büchern lebendig geworden sind und dann sind sie auf einmal weg“, antwortet Jaskulla.

Zurück ließ sie die Gäste an diesem Abend mit den Ergebnissen aus einer kleinen Schreibübung, die jeder machen durfte: „Vervollständigen Sie zehn Mal den Satz `Wenn ich das Geld oder die Zeit hätte, dann würde Ich…´.“ Sich diese Liste noch einmal genau angucken und schauen, ob man einen dieser Punkte nicht mindestens umsetzen könne, damit endete der zweite EXPERT.CIRCLE „Schreiblust: Wie aus der Idee ein Buch wird“ im Forum der FHM Bielefeld.

Dr. Gabriela Jaskulla am 16. November 2017 beim EXPERT.CIRCLE. Die Autorin hatte Bücher mitgebracht, die sie an den Gästen nach der Veranstaltung signierte.