Freiräume erkennen und konstruktiv nutzen: Michael Löhe – Director Marketing Audi Japan

Die Jahre an der FHM waren der Ausgangspunkt für eine außergewöhnliche Karriere: Michael Löhe studierte von 2001 bis 2004 an der Fachhochschule des Mittelstands im zweiten Studienjahrgang Medienwirtschaft. Seine Karriere in der Automobilbranche zeichnete sich bereits früh ab: Löhe absolvierte seine SiP-Phase bei einem der größten deutschen Automobilhersteller. Er durchlief sein halbjähriges Praktikum bei BMW im Marketing im Bereich Internet/Neue Medien. Nach dem erfolgreichen Studien-Abschluss arbeitete Michael Löhe im Fachbereich Medien der FHM als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Im Jahr 2007 wechselte der Medienwirt zum Automobilhersteller AUDI als Marketingberater für den Bereich Ostdeutschland. Nach einem dreimonatigen Japan-Projekt „Personal Online Assistent“ im Frühjahr 2012 lebt Löhe seit November 2012 in Tokio – und verantwortet als Managementkraft des Konzerns das gesamte Marketing von AUDI Japan. Ohne ein Studium an der FHM wäre das nicht möglich gewesen.

Sie sind für das gesamte Marketing der AUDI AG in Japan zuständig. Sie agieren auf einem internationalen Markt, sprechen fließend Englisch. Und wie gut ist Ihr Japanisch mittlerweile?
Michael Löhe: Meine Sprachfertigkeiten haben sich enorm verbessert. Aber Japanisch ist eine große Herausforderung – speziell für Europäer, da die Schriftzeichen keine Anlehnung an die uns bekannten Buchstaben haben. Ich nehme zweimal in der Woche intensiven Sprachunterricht, aber weit über das Sprachniveau eines Kleinkinds bin ich noch nicht hinaus. Dabei ist die Sprache der Schlüssel für tiefergehende private Kontakte zu Japanern. Denn in einem Punkt hat die japanische Bevölkerung aus meiner Sicht noch etwas Nachholbedarf: Englisch wird in der Schule gelehrt, findet aber im Alltag kaum Anwendung. Bis vor wenigen Jahren wurde Englisch nur schriftlich unterrichtet. Daher verfügen die Japaner zwar über fundierte Englischkenntnisse, der aktive Sprachgebrauch ist aber eine hohe Hürde.
Deutschland und Japan sind zwei hochtechnologisierte Industrieländer, die als enge Wirtschaftspartner miteinander kooperieren.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede
zwischen den beiden Ländern?

Löhe: Aus der Ferne betrachtet ähneln sich beide Nationen. Deutschland und Japan setzen vor allem in der Wirtschaft auf ähnliche Werte: Fleiß, Ehrgeiz, Pünktlichkeit – sogenannte klassische deutsche Tugenden, die auch in Japan gelebt werden. Im Berufsalltag bemerke ich aber deutliche Unterschiede. Zum Beispiel gibt es in Japan kein Brainstorming wie man es aus Deutschland kennt. In der japanischen Unternehmenskultur werden klare Aufträge vergeben und diese werden dann ausgeführt. Außerdem ist die Einstellung zur Arbeit eine andere: Der Deutsche arbeitet, um zu leben. Der Japaner lebt, um zu arbeiten. Die Kollegen sind für den Japaner seine Familie. Die japanischen Kollegen sind äußerst höflich. Die Kollegen gehen äußerst höflich miteinander um, ziehen aber auch eine eindeutige Grenze zum Privaten.

Einige Ihrer Vorurteile, zum Beispiel was das Essen angeht, haben sich aber nicht bestätigt.
Löhe: Das Essen in Tokio hat aus meiner Sicht eine exzellente Qualität und ist vielleicht sogar weltweit am besten. Ich muss gestehen, dass ich Sushi nicht gerne esse. Aber in einem italienischen Restaurant in Tokio kann man mindestens so gut essen wie beim Italiener in Italien.

Sie haben bereits mit 34 Jahren eine äußerst verantwortungsvolle Position bei einem Global Player. Die Work-Life-Balance ist für viele Manager eine große Herausforderung. Wie vereinen Sie Karriere und Privatleben?

Löhe: Schon während meines Studiums an der FHM hatte ich „Lust auf Karriere“. Ich habe viele Möglichkeiten erhalten, meine Fähigkeiten aktiv einzubringen. Wenn sich Chancen ergeben, muss man sie nutzen. Das gilt auch bei meinem Arbeitgeber AUDI, der der diese Eigeninitiative fördert. Man muss zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein, Durststrecken überstehen und wenn Türen geöffnet werden, ins kalte Wasser springen. Das war schon an der FHM so – Freiräume erkennen und konstruktiv nutzen, das habe ich zumindest immer versucht. Das ist bis heute so geblieben. Ich lerne jeden Tag dazu und mache natürlich auch Fehler. Das gehört dazu und ist wichtig. Daraus zu lernen, und die Fehler idealerweise nicht zu wiederholen, ist der schwierige Teil. Denn am Ende muss ich für meine Entscheidungen einstehen und das umfasst in letzter Konsequenz alle Marketing-Maßnahmen in Japan. Das hätte ich mir vor zehn Jahren nicht träumen lassen.