FHM-Studierende nehmen den Mittelstand der Chemie unter die Lupe

Bielefeld/Frankfurt a. M., 21. Mai 2013. Wie umweltverträglich produzieren mittelständische Chemiefirmen in Deutschland? Welche Arbeitsbedingungen finden die Mitarbeiter der Branche vor? Und wie innovativ sind die Betriebe? Masterstudierende der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) haben vor Ort recherchiert und der Geschäftsleitung auf den Zahn gefühlt. Ihre  Ergebnisse haben die Studenten als Unternehmensporträt dokumentiert. Dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt hat dieser unabhängige Blick imponiert: Er will die Texte nun in einem Buch veröffentlichen.

Die Chemie ist gemessen am Umsatz der drittgrößte Industriezweig Deutschlands. Die Produkte der Branche spielen in unserem Alltag eine wichtige Rolle, die Prozesse und Akteure der Betriebe sind jedoch weitgehend unbekannt und werden kaum öffentlich thematisiert. Dies gilt insbesondere für die 1.850 mittelständischen Chemieunternehmen, die zwar häufig mit speziellen Produkten zu den Weltmarktführern auf ihrem Arbeitsgebiet gehören, aber der breiten Öffentlichkeit häufig nicht bekannt sind. 

Studierende des Masterstudiengangs Crossmedia & Communication Management der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) haben sich in den vergangenen Wochen in mehr als einem Dutzend Unternehmen aus dem ganzen Bundesgebiet ein eigenes Bild zur Performance des Mittelstands in der Chemie verschafft.  In den Fokus ihrer Recherchen rückten sie spezifische Aspekte wie die Umweltverträglichkeit der Produkte und Produktionsverfahren, die Mitarbeiterführung und -rekrutierung, die Innovationsbereitschaft oder die Person an der Spitze des Unternehmens. Zudem recherchierten die Bielefelder Studierenden, mit welchen Strategien die Betriebe gedenken, den ökonomischen Herausforderungen der Zukunft ? wie beispielsweise dem drohenden Fachkräftemangel ? begegnen zu wollen.

Der Verband der Chemischen Industrie hat diese journalistische Detailaufnahme begleitet. Die Ergebnisse haben den VCI bewogen, die Texte nicht nur auf seiner Webpräsenz, sondern auch in einem Buch zu veröffentlichen. Manfred Ritz, Leiter der VCI-Pressestelle, kommentiert die ungewöhnliche Kooperation von FH-Studierenden und der Öffentlichkeitsarbeit des Branchenverbandes so: „Der Mittelstand ist eine wichtige Säule der deutschen Chemie. Im Brennpunkt  der Tages- und Wirtschaftspresse stehen aber fast ausschließlich die DAX-Konzerne. Die Zusammenarbeit mit der FHM stellt für uns eine gute Möglichkeit dar, die Vielfalt, Innovationskraft und wirtschaftliche Bedeutung mittelständischer Unternehmen der Branche bekannter zu machen. Eine neutrale Sicht mit journalistischem Anspruch macht das Ergebnis lesenswert und interessant.“

Die Bielefelder Studierenden entwickelten über die Texte hinaus auch crossmediale Strategien, das Thema umzusetzen. So entstanden neben den schriftlichen Porträts auch ein Video- sowie ein Audiobeitrag über das Thema. Prof. Dr. Astrid Kruse, Dekanin des Fachbereichs Medien der FHM und Leiterin des Projekts, erklärt, warum solche Projekte wichtig für die hochschulgebundene Ausbildung professioneller Kommunikatoren sind: „Crossmedial zu agieren ist eine wichtige Schlüsselqualifikation, die wir mit einem solchen Projekt ganz praxisnah vermitteln. Hier mussten die Studierenden kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums beweisen, dass sie organisatorisch und journalistisch professionell arbeiten können.“ 

Tatsächlich haben die Studierenden ungewöhnliche Einblicke in die Branche erhalten. So nutzt ein badischer Edelgasproduzent trotz intensiven Wettbewerbs seine Produktionskapazitäten gemeinsam mit einem französischen Konkurrenten und ein Berliner Chemieunternehmen stellt Medikamente für den Ernstfall einer radioaktiven Verseuchung her. Die Studierenden fanden aber auch heraus, warum in den allermeisten Tapeten Europas ein gutes Stück Ostwestfalen steckt. Vor allem aber beschreiben einige Studierende, mit welchen Strategien die mittelständischen Unternehmen ihre Produktion hin zu umweltverträglichen und nachhaltigen Verfahrensprozessen ausrichten – und warum dies nicht nur eine kurzfristige Marketinggeste an den ökologischen Zeitgeist ist. Den Studierenden jedenfalls hat der berufspraktische Einblick anscheinend gefallen: „Die journalistische Arbeit war eine Herausforderung, die wir gerne angenommen haben. Es ist spannend zu sehen, wie innovativ und nachhaltig der Mittelstand der Chemiebranche arbeitet.“

Freuen sich über den erfolgreichen Abschluss des gemeinsamen Projekts: Die Masterstudierenden der FHM, die Hochschulleitung und die Vertreter des VCI.