FHM leitet zweites EU-Forschungsprojekt zur Flüchtlingsintegration

Die Flüchtlingsthematik spielt nicht nur in der Politik eine entscheidende Rolle, sondern vor allem auch im gesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Bereich. Aus dem Grund widmet sich das EU-Projekt „Job to stay“ eben jener Situation und verknüpft die Suche nach einem Arbeitsplatz mit dem Fachkräftemangel im Tourismus. Neun Partner widmen sich dieser Herausforderung und werden dabei von der FHM Schwerin durch das Projekt geführt. Neben "New Challenges - New Answers (NCNA)" leitet die FHM damit das zweite EU-Projekt, dass sich mit der Integration von Flüchtlingen auseinandersetzt.
Zum ersten Mal kam das interdisziplinäre Team nun in Ljubljana zum Kick-Off-Meeting zusammen. Prof. Dr. Ulrike Fergen als wissenschaftliche Projektleitung und Pia Winkler M.A. als Projektkoordinatorin reisten dafür vom 21.-23.11.2017 zum Projektauftakt, um die gemeinsame Zielstellung zu besprechen.

Die Slovenska Filantropija übernahm die Rolle des Gastgebers als einer der beiden slowenischen Partner. Dieser Verband beschäftigt sich mit der Betreuung und Integration von Migranten und insbesondere auch von Flüchtlingen. In ihren Räumlichkeiten stellten sich alle Partner kurz vor, um anschließend einen Überblick über das gemeinsame Erasmus+ Projekt zu gewinnen. In den ersten beiden Arbeitspaketen geht es um die Erarbeitung konkreter Beschreibungen für fünf ausgewählte Berufsprofile in der Tourismus-Branche. Diese sollen mit kulturellen und sprachlichen Erwartungen der einzelnen Partnerländer entwickelt werden. Schlussendlich sollen so Qualifikationsprofile auf Stufe 2 des Europäischen Qualifikationsrahmens entstehen – eine Neuheit in allen teilnehmenden Partnerländern. Im Anschluss an die Beschreibung wird besonderer Fokus auf die Bewertung von Kompetenzen, Kenntnissen und Fertigkeiten der Flüchtlinge gelegt. Eine weitere Besonderheit ist die Zielgruppe des Projekts: 70% der Teilnehmer, die in die Tourismus-Industrie integriert werden sollen – müssen weiblich sein. Angebote für männliche Flüchtlinge bestehen bereits in einigen Facetten auf dem Markt, das Projektteam plant nun auch die Berücksichtigung der besonderen Erwartungen und Ansprüche der weiblichen Geflüchteten, um auch ihnen die Chance auf die Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Am zweiten Tag des Kick-Off-Meetings folgte Barbara Velkov Rozman von dem Institute of the Republic of Slovenia for Vocational Education and Training der Einladung des Gastgebers. Sie stellte das slowenische Berufsbildungs- und Ausbildungssystem vor. Dabei lag sie besonderes Augenmerk auf die Integration von MigrantInnen und damit auch auf geflüchtete Menschen, die nach Anerkennungsmöglichkeiten ihrer Qualifikationen in Slowenien suchen. Die Diskussion mit dem Projektteam drehte sich dann vor allem um die praktische Erfassung und Bewertung von Kenntnissen, Kompetenzen und Fertigkeiten ohne Sprachgebrauch. Ein Best-Practice-Beispiel durften die Projektmitglieder jedoch auch am Vorabend schon bestaunen. In der „Skuhna“ (slowenisch für „social kitchen“) wird Flüchtlingen jeden Abend die Möglichkeit eingeräumt Gerichte aus ihrem Heimatland zu kochen. Das Restaurant wechselt somit täglich die Abendkarte und kann allen Gästen authentisches Essen aus verschiedenen Ländern bieten.

Das Projektteam plant in den nächsten zwei Jahren die Entwicklung der Qualifikationsprofile und die Integration von mindestens 60 Flüchtlingen in den Partnerländern, wie auch die Evaluation der Integrationsmaßnahme. Am Ende wird dann ein Entscheidungspapier vorgelegt, dass Entscheidungsträgern und Flüchtlingen gleichermaßen die Arbeitsintegration in die Touristik erleichtern soll.