Experimentierlabore für eine pluralistische Gesellschaft: Digitale Kommunikation verändert auch die Schülerzeitung von heute

Das Kultusministerium von Niedersachsen hatte am 25. Oktober 2016 eingeladen, über die Zukunft von Schülermedien nachzudenken. Unter der Überschrift „Schülerreporter 2.0 – Wie macht man heute eine Schülerzeitung?“ trafen sich Schüler, Lehrer und Medienexperten im Erich-Kästner-Gymnasium Hannover-Laatzen, um über die Zukunft der Schülerzeitung zu debattieren. Mit diskutiert hat dabei auch der FHM-Professor und Leiter des Instituts für Sportkommunikation (IfS) Prof. Dr. Marcus Bölz.

Pegida, Donald Trump oder Hassparolen in sozialen Netzwerken: In jüngster Vergangenheit wird verstärkt über Veränderungsprozesse unseres gesamtgesellschaftlichen Kommunikationsklimas diskutiert. Experten sind sich darin einig: Zu einer demokratischen Grundordnung gehört auch die Akzeptanz der Gegenrede. Aber wo lernt man in unserer Gesellschaft zuerst, Autoritäten wenn es nötig ist auch mal zu widersprechen? Dabei spielen Schülermedien eine wichtige Rolle – und deshalb hat das Niedersächsische Kultusministerium die Aktion „Schülerreporter 2.0“ initiiert. Mitglied dieses Netzwerks aus interessierten Partnern ist das Institut für Sportkommunikation (IfS) der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Hannover.

Vergangenen Dienstag debattierten Cornelia Schneider-Pugs vom Niedersächsischen Kultusministerium im Erich-Kästner-Gymnasium in Hannover-Laatzen mit einigen Experten das Thema. Darunter Prof. Dr. Marcus Bölz von der FHM: „Der digitale Medienwandel verändert nicht nur die Alltagskommunikation der Menschen. Experten beobachten besorgt, wie sich Teile der Gesellschaft von einer faktenbasierten Öffentlichkeit verabschieden und ihre, teilweise sehr krude, Weltbilder in geschlossenen Kreisläufen selbst bestätigen. Dies kann für eine pluralistische Gesellschaft wie unsere zu einem ernsthaften Problem werden“, so der Leiter des Instituts für Sportkommunikation in der Podiumsveranstaltung. Schülermedien können aus seiner Sicht ein wichtiges Instrument sein, um junge Menschen diesbezüglich positiv zu sozialisieren. „Schülerzeitungen sind hervorragende Experimentierlabore“, so Bölz bei der Podiumsdiskussion.   

In Workshops zeigten Profis im Anschluss der Debatten im kleinen Kreis, wie man erfolgreich eine Schülerzeitung oder einen Schülerblog macht. Zudem präsentierten bei der von der VGH-Stiftung geförderten Veranstaltung auch Medienmacher wie HAZ-Redakteur Karsten Röhrbein Tricks und Kniffe aus dem redaktionellen Alltag etablierter Medien. „Bilder und gute Titelzeilen werden zum Beispiel deutlich wichtiger“, erklärte Röhrbein. Besonders Online-Angebote rücken zukünftig in den Fokus und fordern mehr Beachtung. „Aber man darf auch nicht vergessen, wie groß immer noch die Reichweiten von Tageszeitungen sind“, so Röhrbein. Die ehemalige Chefredakteurin der Schülerzeitschrift des Gymnasiums „Der Spargel“, Viven Werner, sah dies ähnlich. „Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn man als Redakteur sein eigenes Ergebnis in der Hand hält.“ Tatsächlich ein Erlebnis, welches sie in ihrem jungen Leben schon häufiger hatte. Die Zeitung wurde in den vergangenen Jahren mehrmals unter die besten fünf Schülerzeitungen Deutschlands gewählt.