„Es ist wichtig, Sand im Getriebe zu sein“ – Journalist Jürgen Thebrath beim EXPERT.CIRCLE in Köln

Wer Journalist sein wolle, der müsse bereit sein, sich einzulassen, Niederschläge verkraften können und immer wieder Argumente für den eigenen Beitrag finden. Dass sich Zähigkeit und Disziplin auszahlen, zeigt der Werdegang des ehemaligen stellvertretenden WDR-Chefredakteurs Jürgen Thebrath, der am 25. Februar Gast im EXPERT.CIRCLE der FHM Köln war.

In zehn Kapiteln berichtete der frühere Moderator und Redakteur von seinem journalistischen Leben und einigen Erfahrungen, die seine Haltung bis heute prägen. Früh habe er gelernt, dass der Respekt anderer Meinungen zentral für eine gute journalistische Arbeit sei. Einsätze in der DDR, bei denen er als „Agent des Westens“ bei jedem Schritt von der Stasi überwacht wurde, zeigten dem Bottroper die Bedeutung von Meinungs- und Bewegungsfreiheit. Diese Privilegien konnte Thebrath als Leiter der ARD-Auslandsstudios in New York und Brüssel ausleben, von wo aus er Entwicklungen für Nachrichtensendungen, wie die Tagesthemen, kommentierte.

Während seiner Zeit als Redakteur beim Politmagazin „Monitor“ schaute Thebrath den Mächtigen auf die Finger und stand den Ohnmächtigen bei Seite. Er deckte Missstände in der Lebensmittelindustrie auf und konnte Menschen durch öffentliche Thematisierung ihrer Schicksale helfen. Der Konkurrenzdruck unter Journalisten habe aber auch Schattenseiten: „Während meiner Zeit als Polizeireporter habe ich auch Aasgeier-Journalismus betrieben, für den ich mich bis heute schäme“. Dass Journalismus mit großer Verantwortung einhergeht, zeigen viele seiner Beispiele an diesem Abend.

Den heutigen „Blitzjournalismus“, der Themen kurz anleuchte aber letztlich nicht verstehbar mache, kritisiert Thebrath. „Es ist wichtig, nachhaltig und tief zu recherchieren, Hintergründe zu ermitteln und dem Zuschauer eine Einordnung zu ermöglichen“, gibt er den Studierenden mit.

Besonders geprägt hat Thebrath eine Reise, auf der er Kofi Annan nach Bagdad begleiteten und portraitierten durfte. „Im Journalismus öffnet sich eine Welt, die einen Zugang zu Menschen ermöglicht. Ob Sie diese entdecken hängt davon ab, wie gerne Sie Journalist sein wollen."

Wir danken Herrn Thebrath herzlich für den interessanten Abend.