„Die Menschen müssen schneller an die Arbeit herangeführt werden“ – öffentliches Fachgespräch mit Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., an der FHM

Die Bundestagspräsidentin a.D. und ehemalige Bundesministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit, hat heute in der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Bielefeld das Fachgespräch zum Thema „Bildung als Motor für gelungene Integration“ besucht.

Dabei sprach die gebürtige Wuppertalerin über „Bildung als zentralen Schwerpunkt für Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit“ und stellte gleich zu Beginn klar: „Für mich bedeutet lebenslanges Lernen, sich so entwickeln zu können und leben zu dürfen, wie man das selbst für sich möchte.“ Süssmuth sieht vor allem beim Begriff Integration einige Verständnisschwierigkeiten in der Bevölkerung: „Wir dürfen das nicht nur an einer bestimmten Personengruppe, wie beispielsweise den Geflüchteten, festmachen.“ Schließlich würden wir auch eine europäische und gesellschaftliche Integration durchleben.

Seit Jahrzenten engagiert sich die heute 80-Jährige intensiv für Migranten. „Wir waren schon immer ein Zuwanderungsland. Nur wollte das nie jemand wahrhaben“, sagt Süssmuth. Es ginge auch schon lange nicht mehr darum, ob wir nun ein Zuwanderungsland seien oder nicht. „Die Menschen sind da. Wir müssen zusehen, dass wir miteinander klarkommen.“

Generell müsse in Deutschland für mehr Fairness gesorgt werden. Mit der Ankunft der zahlreichen Geflüchteten habe sie sehr viel Potential in Deutschland ankommen sehen. Doch Menschen neigen dazu, ihre Potentiale zu verstecken. Und das gelte natürlich auch für Deutsche. „Es ist sehr aufwendig, Menschen für sich zu gewinnen. Hierfür brauchen wir mehr Vorbilder in unserer Gesellschaft.“ Dabei sieht sie besonders die FHM als ein gutes Beispiel: „Hier wird entschieden Wert darauf gelegt, dass Studierende Erfahrungen sammeln, sich entwickeln und Selbständigkeit erlernen. Das finde ich gut und das ist genau der richtige Schritt.“ Das gelte im Übrigen auch für die hierhin Geflüchteten. Für sie sei es das Wichtigste, anerkannt zu werden und arbeiten zu dürfen. Sie müssen schneller herangeführt werden.

„Helft ihnen zu arbeiten, dann steigt auch automatisch die Anerkennung im Land“, appellierte sie abschließend. Im Anschluss gab es noch eine angeregte Diskussion mit den Gästen zu den Themen Bildung, Forschung und internationale Beziehungen. 

(v.l.n.r.) Friedel Heuwinkel Landrat a.D., Prof. Dr. Rita Süssmuth, Prof. Dr. Tim Brüggemann, Prof. Dr. Anne Dreier, Prof. Dr. Richard Merk und Prof. Dr. Volker Wittberg diskutierten gemeinsam über Bildung als Motor für gelungene Integration.