„Das Highlight ist das Praktikum an sich“: FHM-Student verbringt Praxisphase bei der Lanxess Arena und berichtet von Künstlerbetreuung, Terminkoordination und der Eishockey WM

Carsten Heling studiert Sportjournalismus & Sportmarketing an der FHM in Köln und arbeitet seit Oktober im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Kölner Lanxess Arena, die eng mit der FHM Köln kooperiert. Lange Arbeitszeiten und vielfältige Aufgaben erfordern große Einsatzbereitschaft und viel Motivation, die sich für Heling in Networking-Chancen und der Übertragung großer Verantwortung auszahlen. Im Interview berichtet er aus dem ungewöhnlichen Alltag und gibt Einblicke, wie sich das Studium in der Praxis (SiP) gestalten kann.

Was für ein Praktikum machst Du bei der Lanxess Arena?

"Ich bin hier acht Monate lang in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, also zwei Monate länger, als im Studium obligatorisch vorgesehen. In erster Linie betrifft meine Arbeit die IIHF Eishockey WM 2017 aber natürlich kümmere ich mich auch um das Tagesgeschäft."

Wieso hast Du dich dafür entschieden, das Praktikum dort zu machen?

"Von der offenen Stelle wurde uns in der FHM erzählt. Allerdings wurde nicht gesagt worum es geht sondern nur, dass jemand gesucht würde, der einige Vorerfahrungen im Journalismus mitbringt und dem extrem lange Arbeitszeiten nichts ausmachen. Da dachte ich mir: das klingt doch super! Als die Informationen nach der ersten Bewerbungsrunde konkret wurden, war ich sofort Feuer und Flamme, da diese Stelle meine Interessen an Sport, Musik und Pressearbeit perfekt vereint."

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – welche Aufgaben sind damit verbunden?

"Das ist ein unglaublich weites Feld. Es geht zum einen um die Arbeit für und mit der Presse und zum anderen um eigene aktive journalistische Arbeit im Namen der Arena oder der Eishockey WM. Von der Organisation von Interviewterminen und Pressekonferenzen über das Texten von Pressemitteilungen bis hin zu Verhandlungen mit möglichen Kooperationspartnern und dem tüfteln an Promotion und Kampagnen ist alles dabei."

Was macht dir besonders Spaß?

"Ich gebe zu, dass alle Termine, die man im Vorfeld oder während einer Veranstaltung wahrnimmt, immer etwas besonders bleiben. Die Atmosphäre in der Arena ist unglaublich, wenn tausende Menschen feiern, singen oder jubeln. Wenn man dann in der Mixed Zone des KEC steht und durch den Spielertunnel die tausende Fans hört ist das eine tolle Atmosphäre, um zu arbeiten. Ebenso interessant ist es, wenn die riesengroße Arena noch leer ist und man Termine im Vorfeld Backstage abwickelt und weiß, dass sich gleich alle Ränge füllen werden. Auch jedes Konzert, dem man mit Pressegästen beiwohnt, ist großartig - das lässt einen nicht kalt, was da in der Arena passiert."

Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?

"Morgens muss erstmal alles verarbeitet und versendet werden, was für Presse und Öffentlichkeit interessant ist. Beispielsweise werden Pressemitteilungen zu Künstlern, die in die Arena kommen verschickt oder Vorverkaufsstarts kommuniziert. Dann arbeite ich meine Emails ab, die mich in fünf Postfächern erreichen. Eines für die Arena, eines für die WM, das allgemeine Pressepostfach, das der Presse-Assistenz und die allgemeine Kontakt-Adresse für Beschwerden und Anliegen aller Art. Das Abarbeiten der Beschwerden dauert am längsten. Über den Tag geht es im Moment sehr viel darum, die Eishockey WM mit redaktionellen Kooperationen und Promotions voran zu treiben. Auch die Volunteers für die WM habe ich zum Großteil gecastet und zusammengestellt. Solche Gesprächstermine liegen meistens vormittags. Genau wie unsere „Jour fixe“: Runden, bei denen alles Wichtige zur WM oder zum Tagesgeschäft besprochen wird.

Natürlich geht es auch um Akkreditierungsanfragen für Events, das Ausdrucken von Belegen für den Pressespiegel, das Abarbeiten offener Fragen oder den Versand von Werbematerial. Solche „Fleißarbeiten“ versuche ich in den Nachmittag zu legen.

Auch am Wochenende bin ich oft in der Arena. Bei einigen Veranstaltungen bin ich bereits vor Einlass in der Halle und wickle die Presse-/ und Fototermine ab. Auch passe ich während der Show auf, was die Fotografen dürfen und was nicht oder bringe Journalisten zu Interviews in die Mixed Zone. Oft haben wir aber auch Pressegäste, mit denen wir über Zusammenarbeit verhandeln wollen. Dann sitzen wir in der Loge oder im Backstage-Restaurant und unterhalten uns während eines Eishockeyspiels. An Veranstaltungstagen kann es sein, dass ich erst gegen 23 oder 0.00 Uhr zu Hause bin. Aber das, was ich erleben kann, entschädigt für alles."

Triffst Du auch Künstler?

"Ja bei verschiedensten Gelegenheiten. Oft betreue ich Interviewtermine von Künstlern mit der Presse. Das heißt die Presse fragt den Termin über unsere Pressstelle an, ich bringe Künstler und Presse zusammen und begleite den Termin damit alles glatt läuft. Bei diesen Terminen verbringe ich relativ viel Zeit mit den Künstlern. Ein anderes Beispiel: Künstler, die die Arena ausverkaufen bekommen von uns den „Sold Out Award“ überreicht. Dazu schreibe ich eine Pressemitteilung, treffe die Künstler Backstage zusammen mit unserem Geschäftsführer, welcher den Award überreicht, mache ein Foto und gebe die Mitteilung noch in der Nacht an die Presse raus."

Im Mai startet die 2017 IIHF Eishockey Weltmeisterschaft. Verändern sich deine Aufgaben während dieser Zeit?

"Natürlich nimmt die WM mehr und mehr Platz ein. Die Termine mit den internationalen Verbänden, Kamerateams und Organisatoren häufen sich und es wird von Tag zu Tag stressiger, alles in die Wege zu leiten. Der Countdown läuft – es sind nicht einmal mehr 100 Tage und wir müssen noch einiges erledigen um einen reibungslosen Ablauf mit toller Stimmung und Berichterstattung zu erreichen. Die Lanxess Arena soll sich mit diesem Turnier den über tausend Medienvertretern und hoffentlich 400.000 Fans perfekt präsentieren – daran arbeite ich mit meinen Kollegen."

Ist mit Ende der WM alles vorbei?

"Nein, nach dem Finale am 21. Mai ist noch einiges an Nachbereitung nötig. Außerdem steht am ersten Juniwochenende schon das Final 4, also das Finale der Handball Champions League an. Ich werde im Juni wohl noch neben der Uni mitarbeiten und das Team unterstützen. Das wären dann schon drei Monate länger, als die eigentliche SIP Zeit andauert. Wie es mit mir dann in Zukunft weitergeht, weiß wohl nur mein Chef…"

 Wie profitierst du von dem Praktikum?

"Ich bekomme hier sehr viel Verantwortung, ich arbeite im Alltag als Kollege und nicht als Praktikant. Darüber bin ich extrem froh. Dadurch, dass ich eng in die Arbeit eingebunden bin, habe ich nicht nur die Chance unglaublich viel zu lernen sondern auch sehr wichtige Kontakte zu Veranstaltern, Sportverbänden und Medienvertretern zu knüpfen. Mein Praktikum dauert, wie bereits erwähnt, auch deutlich länger als bei meinen Kommilitonen. Dadurch kann ich nochmal mehr erleben und bei einer größeren Spannweite an Events mitwirken."

Wenn Du jetzt Bilanz ziehen solltest: Was war dein größtes Highlight bisher?

"Das kann ich unmöglich herausfiltern. Wenn du an einem Tag eine SMS von Mirko Lüdemann bekommst, weil er eine Frage zu einem Presstermin hat und am Abend die Jungs von Fanta4 triffst, fühlst du dich wie im falschen Film. Das Highlight ist das Praktikum an sich. Wobei das größte Event mit der Eishockey WM erst noch bevorsteht. Ein Teil von so einem enormen Ereignis zu sein ist unglaublich!"

Gibt es etwas, das Du SJ-Studierenden, die ihr Praktikum noch vor sich haben, mit auf den Weg geben möchtest?

"Es klingt abgedroschen, aber kümmert euch frühzeitig um euer SIP! Nur so könnt ihr das erreichen, was ihr wirklich wollt. Habt außerdem keine Angst vor großen Namen. Auch die Flaggschiffe der Szene brauchen Unterstützung. Seit motiviert, kniet euch rein und verkauft euch gut - dann könnt ihr alles erreichen."