Bunt wie das Leben

Grau und glasig. Das Spiegel-Haus an der Hamburger Elbe ist faszinierend modern. Akkurat stehen die letzten Ausgaben des namensgebenden Magazins in einer langen Vitrine der Eingangshalle. Sie wirkt unter den imposanten Glasbrücken und hohen Galerien fast winzig klein. „Sagen, was ist“ rufen die silbernen Lettern an der Marmorwand den Gästen zur Begrüßung entgegen. Mit diesem Motto kann sich auch die Redakteurin und Chefin vom Dienst des Jugendportals Bento, Katharina Hölter, identifizieren.

Katharina Hölter: Redakteurin, bento.de/Spiegel Online

von Pia Beckmann; Studierende B.A. Medienkommunikation & Journalismus

Grau und glasig. Das Spiegel-Haus an der Hamburger Elbe ist faszinierend modern. Akkurat stehen die letzten Ausgaben des namensgebenden Magazins in einer langen Vitrine der Eingangshalle. Sie wirkt unter den imposanten Glasbrücken und hohen Galerien fast winzig klein. „Sagen, was ist“ rufen die silbernen Lettern an der Marmorwand den Gästen zur Begrüßung entgegen. Mit diesem Motto kann sich auch die Redakteurin und Chefin vom Dienst des Jugendportals Bento, Katharina Hölter, identifizieren.

„Es ist so anders, wenn man selbst interviewt wird,“ lacht die schlanke junge Frau und wirkt tatsächlich etwas nervös. Dabei blickt Katharina Hölter schon auf eine ansehnliche junge Journalistenlaufbahn zurück, in der Interviews bestimmt nichts Außergewöhnliches sind. An der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld studierte sie „Medienkommunikation und Journalismus“. Während des anschließenden Master in Hamburg schrieb die junge Journalistin schon für Spiegel Online. Danach führte sie das Volontariat bei der Nachrichtenagentur dpa quer durch Deutschland. Die Reise endete nach einigen Jahren wieder in Hamburg und zwar genau da, wo sie jetzt ist: bei Bento.

Während des Interviews rutscht Katharina Hölter auf ihrem Stuhl hin und her und legt die Hände in ihrem Schoß übereinander. Sie nimmt sich viel Zeit und vermittelt mit jeder Antwort, mit wie viel Freude sie ihrer Arbeit nachgeht. „Das Schöne am Journalismus ist, dass man jeden Tag das Ergebnis seiner Arbeit sieht,“ erklärt die Redakteurin. Vor der breiten Fensterfront plätschert derweil ruhig das trübe Wasser der Elbe. Es ist immer in Bewegung. Auch in ihrem Beruf, erklärt Hölter, sei es wichtig, immer auf Zack zu sein. „Alltägliche Schleifen machen unkreativ,“ ergänzt sie. Immer einen offenen Blick zu behalten und stets zu hinterfragen, was die Leute wirklich interessiert, das sei bedeutsam für guten Journalismus. Der gedeihe nicht in erster Linie am Schreibtisch. „Dafür muss man 'rausgehen,“ betont Katharina Hölter.

Bento reizt sie dabei auf eine besondere Art und Weise. „Bei Bento interessiert es mich, die junge Zielgruppe besser zu treffen als es die traditionellen Medien schaffen.“ Geschichten zu erzählen und dabei die jungen Menschen emotional ansprechen – das sei Bento. Bei Bento geht es allerdings nicht nur um Liebeskummer oder Partynächte, sondern auch um aktuelle Politik, um Geld und Gesellschaft. Keine schnöden Berichte, sondern Storytelling und Identifikation stehen dabei im Vordergrund.

Dieses Lebensgefühl versprüht auch die Redaktion des Jugendportals. Sie sitzt nicht in einem Bürobunkers, sondern in einem überraschend hellen, bunten Raum, in dem viel geplaudert und gelacht wird. Einige Wände sind mit Bildern und Postern dekoriert. An einer Wand durften sich die Redakteure mit bunten Stiften austoben. Partygirlanden zieren die Schreibtische, und wer mag, lungert sich mit seinem Laptop zum Arbeiten auf das breite Sofa. Gegenüber macht eine Schaufensterfront den Blick frei auf die Straße, das wahre Leben, die wahren Geschichten.

Bento, so heißen die japanischen Boxen, in denen es eine bunte Zusammenstellung verschiedener Sushiarten gibt: Für jeden Geschmack soll etwas dabei sein. Wie passt das zu einem Jugendmedium? Hölter muss lachen - sie hat mit dieser Frage gerechnet. Das Online-Portal Bento ist genauso bunt zusammengewürfelt wie das Sushi in der Bento-Box. Auf der Startseite der Homepage fügen sich sehr unterschiedliche Themen zu einem farbenfrohen Mosaik zusammen. „Genau und das ist auch die Idee dahinter,“ erklärt Hölter, „Nachrichten, News aus dem Web selektieren und für den Leser gemischt zusammenstellen.“ Bento lege viel Wert auf die Optik. Besonders die App, so erklärt die Redakteurin, werde immer wichtiger. Dort sein, wo die Zielgruppe ist. Präsenz zeigen und den Trends folgen - das ist die Idee von Bento. Bento gibt es deshalb nicht nur als Website, sondern auch mobil auf dem Handy, kurz und knackig auf Twitter und neuerdings mit noch mehr Bildern und Videos über Snapchat. Erschlagende Textblöcke sind out – Interaktion und Emotionen sind in. Den Leser mit in die Nachricht einzubinden, ihm das Gefühl geben, teilzuhaben. Das macht modernen Journalismus für junge Leute aus. Davon ist Katharina Hölter überzeugt. Bildergalerien und Quiz statt seitenlanger Berichte, Spaß haben am Informieren und Aktualität originell verarbeiten – so arbeite Bento.

„Die Aussage ist am Ende die gleiche. Ich kann über eine Studie eine kurze Meldung von  zehn Zeilen verfassen, was wahrscheinlich viel langweiliger ist als das Ganze zum Beispiel als Quiz aufzubereiten.“ Schnell sein und trotzdem Zeit für aufwendige Geschichten haben – ein Gleichgewicht in der rasenden Welt des Online-Journalismus zu finden, das ist in der heutigen Zeit die größte Herausforderung.

Momentan arbeitet die Redaktion an noch besseren mobilen Seiten, wobei die Bento-App das Herzstück bildet. Der Weg zu den Artikeln soll zukünftig nicht mehr nur über die Homepage, sondern besonders über das kleine bunte Icon auf dem Smartphone stattfinden.

Katharina Hölter und ihr buntes Bento-Team bemühen sich ständig darum, inmitten der kühlen Marmormauern des traditionellen Spiegel-Hauses eine junge Art des Journalismus zu schaffen. „Sagen, was ist,“ rufen die silbernen Lettern in der Eingangshalle mit dem gläsernen Dach. Im Bento-Raum sammeln sich die Redakteure um einen der dekorierten Schreibtische. Es wird auf das Video ganz oben in der „Trending-Liste“ geklickt. Ein  Katzenvideo startet und ein selbstironisches Lachen belebt den Raum. Viele halten solche Videos für online-typisch, Bento aber versucht es mit Journalismus.