Bürokratieabbau ist Sisyphusarbeit

Zum zweiten Mal hat die KBV mit der Fachhochschule des Mittelstands den Bürokratieindex für Ärzte und Psychotherapeuten erstellt. Das Ergebnis: Der Bürokratieindex zog Im Vergleich zum Vorjahr leicht an – und zwar um 0,2 Prozent oder rund 115.000 Nettoarbeitsstunden.

„Mehr Zeit für ihre Patienten wünschen sich die niedergelassenen Ärzte. Das zeigen alle Befragungen. Deshalb darf die Belastung durch Bürokratie in den Praxen das notwendige Maß nicht überschreiten“, erklärte Dr. Thomas Kriedel,  Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Freitag in Berlin. Laut des aktuellen Bürokratieindex, den die KBV und die Fachhochschule des Mittelstands präsentierten, ist die Bürokratiebelastung der Praxen in Deutschland dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Gegenwärtig wenden Niedergelassene 54,16 Mio. Arbeitsstunden im Jahr für administrative Pflichten auf. Das entspricht einem Anstieg von 0,2 Prozent.

„Wirksame Bürokratiekostenkontrolle erfordert zunächst die Messung der bürokratischen Belastung. Mit dem entwickelten Bürokratieindex schaffen wir die nötige Transparenz für eine bessere Regulierung und den angestrebten Bürokratiekostenabbau,“ erklärte Professor Dr. Volker Wittberg, Leiter des Nationalen Zentrums für Bürokratieabbau (NZBA) und Prorektor für Forschung und Entwicklung an der Fachhochschule des Mittelstands.

„Bürokratieabbau ist oft eine Sisyphusarbeit: Während an einer Stelle erfolgreich Bürokratie abgebaut wird, entstehen an anderer Stelle neue Belastungen“ erklärte Kriedel. Eine deutliche Reduzierung der Bürokratie konnte dieses Jahr zum Beispiel mit der Vereinfachung der Chronikerbescheinigung erreicht werden. Die Entlastungen werden jedoch insbesondere durch den vermehrten Aufwand bei der Verordnung von Krankenbeförderungen wieder aufgehoben. So sind Krankentransporte um über 10 Prozent angestiegen und umfassen mittlerweile rund 51 Mio. Fälle pro Jahr. Diese Zahlen spiegeln einen erhöhten Versorgungsbedarf wider.

Auf der Grundlage des diesjährigen Bürokratieindex hat die KBV Forderungen für den bundesweiten Bürokratieabbau formuliert. Wie auch im vergangenen Jahr steht ein verbindliches Abbauziel an erster Stelle. „Unser Ziel von 25 Prozent Bürokratieabbau muss verbindlich per Gesetz verankert werden“, betonte Kriedel. Bei einer Reduzierung des Bürokratieaufwandes um 25 Prozent stünden den Vertragsärzten und -psychotherapeuten pro Jahr zusätzlich 13 Millionen Stunden für die Versorgung ihrer Patienten zur Verfügung. „Arztzeit ist schließlich Behandlungszeit und nicht Schreibtischzeit“, so Kriedel.

Weitere Informationen und alle Ergebnisse der diesjährigen Untersuchung sowie detaillierte Empfehlungen für den Bürokratieabbau in der ärztlichen Versorgung finden Sie hier.

 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):

Die KBV vertritt die politischen Interessen der rund 165.000 an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten auf Bundesebene. Sie ist der Dachverband der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die die ambulante medizinische Versorgung für 70 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland sicherstellen. Die KBV schließt mit den gesetzlichen Krankenkassen und anderen Sozialversicherungsträgern Vereinbarungen, beispielsweise zur Honorierung der niedergelassenen Ärzte und zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen. Die KVen und die KBV sind als Einrichtung der ärztlichen Selbstverwaltung Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mehr Informationen im Internet unter: www.kbv.de.

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