90 Minuten im Leben des Vergessens: Studierende erleben Museumsführung für Demenzkranke

Studierende der FHM Köln schlüpften während einer Führung im Museum Ludwig für 90 Minuten in die Rolle von Demenzerkrankten. Jochen Schmauck-Langer von „dementia & art“ führte die Studierenden des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit & Management mit allen Sinnen durch die Ausstellung.

Schon bei der Begrüßung wurde klar, dass eine Museumsführung für Menschen mit Demenz anders ist. Jochen Schmauck-Langer bediente sich einer sehr leichten, langsamen und deutlichen Sprache. „Wenn das Gedächtnis mehr und mehr nachlässt und Worte nicht mehr richtig erfasst werden, muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren“, so der Kulturgeragoge.

Nach der Begrüßung wurden die Studierenden in der Rolle der Demenzerkrankten zu verschiedenen Kunstobjekten geführt. Der Kulturbegleiter eröffnete das Gespräch mit der Frage: „Was sehen Sie?“ und im Folgenden entwickelte sich ein Gruppengespräch der etwas anderen Art. Bei einer Führung mit demenzerkrankten Menschen geht es nicht wie bei einer herkömmlichen Museumsführung um kunsthistorische Fakten und Informationen. Hier stehen das Fühlen und die sinnliche Wahrnehmung in Vordergrund.

Besonders wichtig ist Jochen Schmauck-Langer, dass es bei den Gesprächen keine falschen Antworten gibt. „Menschen mit Demenz haben im Verlauf ihrer Erkrankung immer und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sie etwas nicht mehr können und Fehler machen. Diese negative Erfahrung soll in der kulturellen Teilhabe umgangen werden. Jede Antwort ist richtig und gut. Die Wertschätzung der Aussage steht an oberster Stelle“, so das pädagogische Resümee.

Bei einer Demenzführung liegt der hauptsächliche Redeanteil nicht beim Führer, sondern bei den Menschen mit Demenz. Auch haben die Demenzerkrankten im Atelier die Möglichkeit ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und selbst etwas zu malen. „Das eigene kleine Kunstwerk, das mitgenommen wird, baut eine Brücke zur Erinnerung. Wenn das Gedächtnis schon weitgehend verloren gegangen ist, ist das Kunstobjekt wie ein Anker, der eine Ressource aktiviert“, erläutert der Kunstbegleiter. 

Die Führung vermittelte den angehenden Sozialpädagogen auf einfühlsame Weise Wissen im Umgang mit Demenzerkrankten. Ein besonderer Dank gilt neben Herrn Schmauck-Langer auch Frau von Tomaszewski, der Leiterin der Kunstvermittlung vom Museum Ludwig.